Datum 2001
höchste Platzierung 9
Album Sunshine
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PIEFIGER FRÖHLICHKEITSPOP

Echte Violinen? Hey! Und echte Streicher? Wow! Klingt ja gar nach einem gesunden Bioprodukt aus dem Pop-Reformhaus. Wenn da nicht der Name Simon Fuller wĂ€re, der unmittelbar mit dem Song „Dont Stop MovinÂŽ“, vor allem jedoch mit der Existenz der fĂŒr diesen Titel verantwortlichen Band S Club 7 zu tun hat. Fuller hat „Pop Idol“ erfunden (bei uns „Deutschland sucht den Superstar“), managt Lewis Hamilton und Ă€ußert sich mit solch bescheidenen Worten wie diesen: „My business is creating fame and celebrity. And I’m one of the best in the world. I know it to the finest detail.“ (Quelle: evancarmichael.com) Arrogant, selbstherrlich, maßlos erfolgreich – der Brite gehört zu den GrĂ¶ĂŸten im MusikgeschĂ€ft.

Als „DonÂŽt Stop MovinÂŽ“ 2001 die deutschen Top 10 eroberte, war bereits die dritte Staffel der Serie zur Band abgedreht worden. Schon frĂŒh wusste Fuller die Medien Musik und TV genial und profitabel miteinander zu verknĂŒpfen, und so war auch die Idee, die frĂŒhen Karrierenschritte einer britischen Popband und deren Versuch, jenseits des Großen Teichs ein paar Platten an den Mann und die Frau zu bringen, schnell in die Tat umgesetzt worden. Nach den ersten beiden Teilen „S Cub 7 in Miami“ und „S Club 7 in L.A.“ also nun „Hollywood 7“. Dass auch diese Staffel ein eher bescheidenes Produktionsniveau aufwies und die darstellerischen Leistungen sonst noch fĂŒr ARD-Renner wie „In aller Freundschaft“ ausgereicht hĂ€tten, war angesichts der recht ordentlichen Quoten auf BBC zu verkraften. In der Serie freuten sich die sieben Twens ĂŒber ihr Happy End, als sie vor Tausenden Fans ein Konzert geben durften, in der RealitĂ€t jedoch verpuffte nach dem Zufallstreffer „Never Had A Dream Come True“ auf Platz 10 in den Billboard Hot 100 das kurze Zwischenhoch in den USA: SĂ€mtliche Singles und Alben, die sie von nun an veröffentlichten, wiesen keinerlei Chartsnotierungen mehr auf.

Vielleicht war dieser piefige Fröhlichkeitspop mit den echten Violinen und echten Streichern und den unĂŒberhörbaren „Billy Jean“-Anleihen auch einfach nix fĂŒr die mutmaßlich anspruchsvolleren Amerikaner. „Don’t stop moving, can you feel the music, DJ’s got us going around, ‚round“, solche Texte klingen ja ganz wohlgefĂ€llig und harmlos, aber ein echter Stimmungsfunke will da nicht unbedingt ĂŒberspringen. Die Hookline berstet auch nicht gerade vor Fantasie und Variationsreichtum und auch das Musikvideo bietet Standardaufnahmen aus einem Dubliner Nachtclub, in welchem einzig eine Kamera wĂ€hrend des Drehs fĂŒr etwas Action sorgte und einen Kronleuchter zerdepperte.

Zum GlĂŒck kam niemand zu Schaden – schließlich wartete bereits die vierte Staffel der S Club-Serie auf die Band – und damit der nĂ€chste erfolglose Versuch, die Amerikaner fĂŒr sich zu begeistern. Zu diesem Zeitpunkt hatte Simon Fuller aber eh schon andere PlĂ€ne am Laufen…

Aktuell: Von den 2013 groß angekĂŒndigten Comeback- und Reunion-PlĂ€nen ist bislang nichts zu bemerken.

Urteil: PrĂ€dikat: naja. Alles in allem wirkt das StĂŒck einfach gestrickt und deutlich auf den wenig nachhaltigen Konsum ausgerichtet.

Jan

S Club 7 – Don’t Stop Movin‘
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3 Gedanken zu „S Club 7 – Don’t Stop Movin‘

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