GROSSE GESTEN IM GETRAGENEN SCHRITTTEMPO

Datum 2008
Platzierung  3
Album Funhouse
Website https://www.pinkspage.com/

Viele Jahre, bevor sie nur noch darauf bedacht war, radiotauglichen Allerweltspop zu kredenzen und mit erheblichen Abnutzungserscheinungen zu kämpfen hatte, gelang der amerikanischen Sängerin P!nk durchaus einiges. Mit 29 Jahren, in der Blütezeit ihres Schaffens, vereinigte sie weibliche Vitalität und kompositorische Dynamik, emanzipatorische Offenbarung und großes Songwritingkino zu einem sympathischen Gesamtkunstwerk.

Das Album „Funhouse“ offenbarte laut P!nk so viel Verletzlichkeit wie kein anderes der Vorgängeralben, und gerade diese Authentizität und textliche Geradlinigkeit machte die Platte zu einer ihrer besten. „Sober“ stach dabei nochmal etwas heraus.

Schleppend, im schwerfälligen und zugleich rockigen 92 bpm-Rhythmus gehalten, liefert der Track zwar die typische Moore’sche Eingängigkeit. Aber die Kraft ihrer Stimme – sehr häufig die einzige positive Note bei der bleiernen Mittelmäßigkeit ihrer späteren Werke – liefert den roten Faden, der „Sober“ nicht langweilig werden lässt. Mit dramatisch aufgeladener Geste schildert sie den Wunsch, die großen Gefühle, die Absolutheit der Selbstwahrnehmung auch im nüchternen Zustand wahrnehmen zu können: „No pain inside, you’re like perfection, but how do I feel this good sober?“

P!nk selber berichtete in ihrem Blog davon, der Song handele von den Lastern, die wir uns selbst ausgesucht hätten („about the vices that we choose“). Geschrieben hatte sie ihn infolge einer Party, die in ihrem Haus stattgefunden hatte und auf der sie selbst sich überflüssig fühlte („I was at a party at my own house, I didn’t want to be there, I didn’t want anyone else there“).

Ob „Sober“ (wie „Please Leave Me“) womöglich auch einen kompensatorischen Charakter hatte? Im Februar 2008 kam es schließlich zur (vorübergehenden) Trennung von ihrem damaligen Ehemann Carey Hart. Schon manchen von uns hatte eine Party danach nur umso einsamer gemacht.

Aber keinem von uns ist danach ein solch ein überzeugender Wurf gelungen.

Urteil: Eines der Highlights in P!nks wahrlich lange andauernden Karriere. „Sober“ ist Poprock, virtuos vorgetragen und auf der Höhe ihrer Zeit.

P!nk – Sober
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