Datum 1985
h├Âchste Platzierung 5
Album Tao
Website http://rickspringfield.com

SCHMISSIGE FUNKENSPR├ťHENDE INSZENIERUNG

So viel Selbstironie muss man erstmal an den Tag legen, doch der Musiker Rick Springfield beweist in der dritten Staffel der amerikanischen Erfolgsserie „Californication“ auf besondere Weise, dass ihm dieses gelingt: Hier spielt er einen abgehalfterten 80er-Jahre-Rockstar, der auf dem Weg zu seinem Comeback diverse Sex- und Drogenorgien hinter sich l├Ąsst und nach vier Episoden schlie├člich als kokains├╝chtiges Wrack aus der Serie entlassen wird. Gewisserma├čen kann seine Rolle auch als Gleichnis f├╝r seine eigene lange Laufbahn als Rockstar und Schauspieler gesehen werden: Viele gro├če und schlechte Alben reihten sich an viele gelungene und ├╝berfl├╝ssige Auftritte in Filmen und Serien. Aber aufgestanden ist der Australier immer wieder.

Seine erfolgreichste Zeit waren nat├╝rlich die 80er: Darsteller in der Serie „General Hospital“, Top-Hits wie „Jessie┬┤s Girl“ (f├╝r den er 1982 einen Grammy erhielt) und „Don┬┤t Talk To Strangers“ sowie seine Heirat mit der ├╝beraus h├╝bschen RCA-Records-Angestellten Barbara Porter (1984). Doch vor allem gl├Ąnzte er mit seinen Album-Verk├Ąufen: Mehr als 25 Millionen Einheiten hat er bis heute in die Welt gestreut. Daf├╝r hatte der Mann jedoch auch enorm geschuftet, zwischenzeitlich brachte er jedes Jahr eine neue Platte auf den Markt: 1981 erschien „Working Class Dog“, ein Jahr sp├Ąter „Success Hasn┬┤t Spoiled Me Yet“, 1983 folgte „Living In Oz“, wiederum ein Jahr darauf „Hard To Hold“, womit ihm erstmals ein Eintrag in den deutschen Charts gelang. „Tao“ (1985) wurde jedoch sein kommerziell erfolgreichstes Album: Statt makellosem Schrammelrock experimentierte Springfield hier st├Ąrker mit New Wave- und Popeinfl├╝ssen, um vor allem auf dem europ├Ąischen Markt Fu├č zu fassen.

Das gelang ihm perfekt: „Tao“ wurde seine erste und einzige Top 10-Platzierung in Deutschland, genauso wie die Auskopplung „Celebrate Youth“, die hierzulande zum Dauerbrenner mutierte, in Gro├čbritannien und den USA jedoch abschmierte. Seine Mischung aus Foreigner und Marillion traf den Zeitgeist, die tobenden Drums sowie das exorbitante Synthiornament passte zu Springfields etwas arrogant wirkenden Selbstinszenierungen auf der B├╝hne. Mit seiner Ode an die Jugend, wie sie in „Celebrate Youth“ geschmettert wird, kombinierte er das st├╝rmische Arrangement perfekt mit den etwas piefig-moralischen Lyrics: „So celebrate youth, those who have it, celebrate youth, give them sight!“ Soundtechnisch ├╝berdimensioniert war das Ganze zwar schon irgendwie, daf├╝r sa├č der lange Mantel, mit dem sich Springfield gerne auf der B├╝hne bewegte, wie ma├čgeschneidert.

Alles was nach „Tao“ bzw. „Celebrate Youth“ herauskam, sollte sich nicht mehr ann├Ąhernd so gut verkaufen. Doch dar├╝ber kann der inzwischen ├ťber-60-J├Ąhrige l├Ąchelnd hinwegsehen, wie er bereits mit seinem Auftritt bei „Californication“ deutlich machte. Und Springfield beweist auch dar├╝ber hinaus Humor – falls er das wirklich ernst meinte: In seinem eigenen Webshop bietet er unter anderem einen Merchandising-Artikel mit dem gedruckten Text seines j├╝ngeren Titels „If Wishes Were Fishes“(!) f├╝r knapp 15 Dollar an – es ist eine schlichte Wasserflasche.

Aktuell: Springfield ist weiterhin musikalisch unterwegs; so tritt er beispielsweise 2020 in der Dominikanischen Republik auf. Auf dem 2019er Album „Orchestrating My Life“ covert er sich selbst.

Urteil: Schmissiges und kompromissloses Rockpop-St├╝ck voller funkenspr├╝hender Dynamik.

Jan

Rick Springfield – Celebrate Youth
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