Datum 2000
höchste Platzierung 5
Album Aaliyah
Website http://www.aaliyah.com/

KEIMFREIE HOCHGLANZEROTIK

Was wĂ€re gewesen, hĂ€tte ihr Leben kein solch abruptes Ende genommen? WĂ€re sie irgendwann von Timbaland adoptiert worden? HĂ€tte dieser seinem SchĂŒtzling irgendwann die gleichen klebrigen 90er-Revival-Hits auf den Leib geschrieben wie er dies spĂ€ter bei Nelly Furtado und Brandy tat? WĂ€re ihre Ehe mit dem deutlich Ă€lteren Produzenten R. Kelly doch irgendwann mal vor Gericht gelandet? HĂ€tte sie die Bella Swan in „Twilight“ gespielt? Und Rihanna eines Tages vom BĂŒhnenrand gestoßen? All diese hypothetischen Fragen, welche den möglichen weiteren Karriereweg Aaliyahs betreffen, mĂŒssen unbeantwortet bleiben.

Aber zugetraut hĂ€tte man ihr alles: Begabte Schauspielerin („Romeo Must Die“, „Königin der Verdammten“), hochtalentierte SĂ€ngerin, kurz: Ein neuer Superstar eroberte konsequent die RÂŽnÂŽB-BĂŒhne. Und ihre beiden Produzenten, R. Kelly, der Aaliyah bei ihrem DebĂŒtalbum mit dem bezeichnenden Titel „Age AinÂŽt Nothing But A Number“ (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war sie 15 Jahre alt und bereits mit Kelly liiert) unterstĂŒtzte, sowie spĂ€ter Timbaland bewiesen FeingefĂŒhl bei der Ausarbeitung ihrer Titel. Kelly behielt somit die schmalztriefenden Lamento-Balladen weitestgehend fĂŒr seine eigenen Aufnahmen zurĂŒck, Timbaland entdeckte glĂŒcklicherweise erst viele Jahre danach, wie leicht der europĂ€ische Markt mit tanzbarer Latte Macchiato-Musik erobert werden kann. Aaliyahs Songs waren jedoch R’n’B pur, tiefgehend, soulig, modern. Der Grammy-nominierte Track „Try Again“ passt deshalb perfekt in die Reihe der auf ihrem dritten und letzten Album „Aaliyah“ aufgebotenen Nummern: Ein bisschen poppig, ein wenig timbalandsche House-Komponenten inklusive dessen periodisch wiederkehrende Vocal-BeitrĂ€ge, ein zierlich-sinnenhafter Gesang – fertig ist der Soundtrack-Auftakt zu Aaliyah Dana Haughtons ersten Kinofilm „Romeo Must Die“. Im Musikvideo begegnet der Zuschauer ihr im Spiegelkabinett in einem weißen Low-Cut-BH und mit perfekt durchgestylten BewegungsablĂ€ufen. Keimfreie Hochglanzerotik, die spĂ€ter im Wesentlichen von BeyoncĂ© und Rihanna fortgesetzt wurde. Wie lange hĂ€tte Aaliyah wohl im Showbusinss mitgemischt und mit welchen skandaltrĂ€chtigen Schlagzeilen?

Womit wir wieder bei den Eingangsfragen gelandet wĂ€ren. Die wichtigste bleibt jedoch: Wieso musste eine solch junge begabte RÂŽnÂŽB-Hoffnung wie Aaliyah aufgrund einer mit zuviel GepĂ€ck befĂŒllten Cessna-Maschine und eines mit Kokain zugedröhnten Piloten, zusammen mit acht weiteren Insassen am 22. August 2001, in den Tod stĂŒrzen? Die ihr gewidmete Homepage beantwortet es mit einem Zitat der KĂŒnstlerin persönlich: „Some people come into our life and quickly go. Some stay awhile and leave Footprints on our hearts and we are never the same.“

Aktuell: Mit der Website, welche die Haughton-Familie in Gedenken an die berĂŒhmte SĂ€ngerin eingerichtet hat und auf der unter anderem fĂŒr die Aaliyah Memorial Stiftung, mit der diverse soziale Einrichtungen unterstĂŒtzt werden, geworben wird, bleibt ihr VermĂ€chtnis erhalten.

Urteil: KĂŒhles, spartanisch instrumentiertes, zugleich futuristisch wirkendes und unverwechselbares R’n’B-StĂŒck, das den frĂŒhen Timbaland in Hochform prĂ€sentiert.

Jan

Aaliyah – Try Again
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2 Gedanken zu „Aaliyah – Try Again

  • Von mir zehn! Immer! Meines Erachtens ist mit Aaliyah der RnB gestorben. Ich trauere noch immer und immer wieder. Und es gibt auch noch die Frage: Was wĂ€re aus Missy Elliott geworden? Sicherlich hĂ€tten diese beiden KĂŒnsterinnen uns mit einer unvergleichlichen Zusammenarbeit umhauen können…Aaliyah, im miss you…More-Than-A-Woman-GrĂŒĂŸe, Julia

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