Datum 1976
höchste Platzierung 1
Album Arrival
Website http://www.abbasite.com/

SANFT VERSPIELTER DISCOFUNK

ABBAHits fĂŒr die Ewigkeit waren zweifellos ihre SpezialitĂ€t, aber erst mit ihrem vierten Album „Arrival“ nahm es auch die Welt außerhalb Schwedens endgĂŒltig zur Kenntnis: ABBA waren auf dem ultimativen Popthron angekommen. Und das machte sich vor allem an dem riesigen Erfolg eines ihrer grĂ¶ĂŸten und tatsĂ€chlich besten Songs fest: „Dancing Queen“ schaffte es als einzige ABBA-Single auf Platz 1 in den USA, erreichte zudem den Spitzenplatz in Deutschland, Großbritannien und Schweden sowie in 10 weiteren LĂ€ndern, wurde danach unendlich viele Male gecovert und gehört laut des Musikmagazins „Rolling Stone“ zu den 200 besten Songs aller Zeiten. Selbst Agnetha FĂ€ltskog gab zu, dass die Band schon vorab von einem riesigen Erfolg dieses Liedes ausging und ihre Kollegin Anni-Frid Lyngstad musste nach dem ersten Hören vor RĂŒhrung weinen.

Wenn die 70er je einen bemerkenswert facettenreichen, aber zugleich sich an die ĂŒblichen Popmuster orientierenden Superhit hervorgebracht haben, dann war das wohl jene Hymne tanz- und partywĂŒtiger Teenagerinnen mit dem Titel „Dancing Queen“: Sanft verspielte Piano-KlĂ€nge, ein emotionsgeladener Paar-Gesang der beiden FrontsĂ€ngerinnen, dazu ein ohne jede BrĂŒche vorgetragener Discofunk-Beat, der von George McCraeÂŽs „Rock Your Baby“ deutlich inspiriert wurde. Bei solch perfekt arrangierter Pop-Epik macht es auch tatsĂ€chlich nichts weiter aus, dass man die wohl einstudierten, aber manchmal so seltsam entrĂŒckt erscheinenden Bewegungen der beiden Stilikonen Agnetha und Anni-Frid in ihren Videos heute noch etwas belustigend findet. Aber hier sind Gruppen wie Baccara, die gerne mal auf den ABBA-Zug aufzuspringen versuchten, keinen Deut besser.

„Night is young and the musics high, with a bit of rock music, everything is fine, you’re in the mood for a dance…“ Keine Frage, mit welchen Worten könnte man besser eine hemmungslose Partynacht mit Freunden einlĂ€uten? Nun, der Teufel steckt wie immer im Detail, denn: „And when you get the chance, you are the dancing queen, young and sweet, only seventeen, dancing queen…“ Dancing Queen mit „jungen“ und „sĂŒĂŸen“ 17? Möglicherweise war dies noch in den liberalen 70ern ohne EinschrĂ€nkung möglich, das Schweden unserer Zeit gehört hinsichtlich der Durchsetzung des Jugendschutzgesetzes zu den deutlich strengeren LĂ€ndern: Keine Diskotheken-Besuche fĂŒr Jugendliche unter 18 Jahre,  teilweise sogar nicht fĂŒr unter 21- oder 23-jĂ€hrige, Alkohol wird erst ab dem 20. Lebensalter ausgeschenkt. Und wer im Übrigen mal in Stockholm verweilte, weiß auch zu welchen Preisen. Selbsternannte „Tanz-Königinnen“ der Nacht sollten sich also tunlichst davor hĂŒten, die Texte des damaligen ABBA-Managers Stig Anderson heute noch allzu wörtlich zu nehmen.

Aber schließlich gilt ja nicht die Prosa von Björn, Benny oder Stig als zeitlos und von allem ĂŒberdauernder GĂŒltigkeit, es sind letztlich die himmlischen Melodien, die Lieder wie „Dancing Queen“ zu den ewig modernen Klassikern gehörig machen…

Aktuell (2019): Musicals, Revival-Shows, Comeback-GerĂŒchte – die Schweden bleiben permanent in der Wahrnehmung der Popgegenwart. Und … bald sollen ja zwei neue Singles erscheinen(!)

Urteil: Großartiger geschmeidiger Popsong, der selbst mit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gemĂ€chlichem Groove noch als Discohit durchgehen wĂŒrde. Mit viel GefĂŒhl fĂŒr Melodie komponiert, mit großem Pathos vorgetragen.

Jan

Bildquelle: Universal Music

ABBA – Dancing Queen
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