Datum 1967
höchste Platzierung 1
Album Flowers
Website http://www.rollingstones.com/

HYMNE FÜR EINE NYMPHE

20 Jahre jung. Superlange wallende blonde Haare. Ein hinreißender verfĂŒhrerischer Schlafzimmerblick. Die Frau, nein, diese Nymphe war das wandelnde Sexsymbol. Mick Jagger, Kopf der britischen Rock’n’Roll-Bandlegende Rolling Stones, ernannte die hĂŒbsche Londonerin Marianne Faithfull endgĂŒltig zu seiner Muse und verließ fĂŒr das It-Girl kurzerhand seine bisherige Freundin Chrissie Shrimpton. Es waren turbulente Zeiten damals, anno 1966, 1967. Als inoffizielles Stones-Mitglied begleitete Faithfull die Jungs durch einen Strudel an DrogenabstĂŒrzen, Partys, Skandalen. Im Nebel dieser rauschhaften Exzesse landete die junge Marianne erst mit Keith Richards, dann mit Mick Jagger im Bett. Jagger vergötterte das MĂ€dchen, wie keines je zuvor und danach – und widmete ihr schließlich den Titel „Let’s Spend The Night Together“, einer Auskopplung aus dem Compilation-Album „Flowers“.

Was zunĂ€chst als brachiale Rockexplosion mit Schrammelgitarren gedacht war, entwickelte sich durch den starken Einfluss des Leadgitarristen Brian Jones zu einer ungewöhnlich rhythmuslastigen Nummer, die mit dem Einsatz gewisser exotischen Instrumente wie Orgel und Honkytonk-Piano den Auftakt in eine deutlich beat- und folkorientierte Phase der Stones bedeutete. Und es bot genĂŒgend Stoff fĂŒr geschichtstrĂ€chtige Anekdoten. So kam es wĂ€hrend der Produktion zu einer ziemlich unverhofften Beteiligung der Staatsgewalt: WĂ€hrend der Studioaufnahmen besuchten zwei Polizisten die sechs Musiker, um sie auf den Besitz bewusstseinserweiternder Mittel zu ĂŒberprĂŒfen. Zwar wurden sie nicht fĂŒndig, doch Produzent Andrew Loog Oldham zeigte sich beeindruckt von der akustischen Dynamik ihrer SchlagknĂŒppel und bat sie darum, eine kleine Rhythmusfigur beizusteuern – was sie dann auch bereitwillig taten.

„Let’s Spend The Night Together“ wurde als Doppel-A-Seite, zusammen mit „Ruby Tuesday“, veröffentlicht und markierte einen insgesamt recht soliden Hitparadenerfolg: In Deutschland besetzte der Titel 1967 ganze fĂŒnf Wochen die Spitze der Charts, in Großbritannien landete der Titel auf Platz 3, in den USA auf Platz 55. Sechs Jahre spĂ€ter coverte David Bowie den Song und entwickelte daraus eine unprĂ€tentiöse Glamrock-Haudrauf-Nummer. Im Hinblick auf den Songtext boten beide Versionen ein umfangreiches Portfolio an Zweideutigkeiten an: „Don’t you worry ‚bout what’s on your mind, oh my. I’m in no hurry, I can take my time, oh my, I’m going red and my tounge’s getting tied,
I’m off my head and my mouth’s getting dry. I’m high, but I try, try, try, oh my…“ Viele Radiostationen strichen das Wort „Night“ aus dem Titel und ĂŒberpiepten es.

Im Juli 1969 trennten sich Faithfull und Jagger. Ähnlich wie Shrimpton, ihrer „VorgĂ€ngerin“, die mit Tabletten das plötzliche Ende ihrer Partnerschaft mit dem exzentrischen SĂ€nger zu verarbeiten versuchte, stĂŒrzte auch Faithfull nach der wilden Jagger-Episode fast rettungslos ab. Heroinsucht, Selbstmordversuche, Obdachlosigkeit prĂ€gten die frĂŒhen siebziger Jahre Faithfulls – es sollten noch einige Jahre vergehen, bis sie sich von den vielen unvergesslichen NĂ€chten im Kreise der grĂ¶ĂŸten britischen Rockband aller Zeiten hat erholen können…

Aktuell: Auch 2019 sind die Herren weit jenseits der 70 auf Tour. Ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. Außer Mick Jagger befĂ€llt eine LungenentzĂŒndung.

Urteil: Großartiges, stimmungsvolles Bluesrock-StĂŒck, das vor allem dank eines kernigen Refrains, des gefĂŒhligen Leadgesangs sowie einer stimmungsvollen Pianoperformance kollektives HĂŒftewackeln verursachen muss.

Jan

The Rolling Stones – Let’s Spend The Night Together

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