Datum 1972
höchste Platzierung 10
Album Jesahel
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DICK AUFGETRAGENE RÜHRSELIGKEIT

Versammlung, Bruderschaft oder auch Gemeinde – das sind die Übersetzungen von Congregation, zugleich Projektname des Songschreiberduos Roger Cook und Roger Greenaway. In den 60er und 70er Jahren gehörten die beiden zu den begehrtesten Autoren, Hits wie Whistling Jack Smiths „I Was Kaiser Bill´s Batman“, Gene Pitneys „Something´s Gotten Hold Of My Heart“ oder Blue Minks „Melting Pot“ gingen auf deren Konto. Unter dem Pseudonym David and Jonathan brachten sie zahlreiche Singles heraus, u.a. auch eine recht erfolgreiche Coverversion von „Michelle“, im Original von den Beatles.

Für die erste Veröffentlichung als The Congregation (in den USA und Großbritannien firmierten sie als „The English Congregation) gingen sie geradewegs aufs Ganze: Der Arrangeur und Keyboard-Spezialist Andrew Pryce Jackman wurde engagiert, der Produzent John Burgess verpflichtet und dazu ein 90köpfiger Chor samt Orchester – pompös und derart überdimensioniert kitschig, dass Andrew Lloyd Webber vor Neid erblasst wäre. Anfangs ließen die ersten Takte noch auf den Beginn von „A Song Of Joy“ von Miguel Rios – einem ähnlich gelagerten Monumentalstück – schließen, dann setzt der Chor der Sopranistinnen ein, diese betäuben den Zuhörer mit einer Endlosschleifenmelodie, die allenfalls noch jener, mit der das einstige ZDF-Weihnachtsserien-Sternchen Oliver Maass in die Zukunft geigen konnte, standhalten könnte. Hat man es sich auf den lieblich klingenden Akkorden schon gemütlich gemacht, greift ein behaartes Demis Roussos-Double namens Brian Keith zum Mikrofon, lässt vom Kollegen die Gitarren losschrammeln und übernimmt den Refrain nach zünftigem Akkordwechsel quasi als Solist, der Chor tritt in den Hintergrund. Fortan explodiert der Song in wiederholten orchestralen Feuerwerksraketen, peitscht die Melodie ein ums andere Mal durch den Track, bis man schließlich erschöpft dasitzt und sich denkt, wie dezent eigentlich doch die ähnlich operettenhaften Popsymphonien von Meat Loaf gestaltet sind.

Am Ende ist es vor allem ein Liebeslied: „When I hold you close to my heart, and I hear your voice whispering I love you, I can feel your warm face, ever close to my lips, and the scent of you invades a cool evening air, I feel you there in my arms still.“ Größer kann keine Liebe artikuliert werden. Das war´s allerdings auch damit, denn außer „Softly Whispering I Love You“ hat sich kaum mehr etwas gleichermaßen gut verkauft, die Nachfolgesingle „Jesahel“ wurde erst bekannter durch die Version der italienischen Formation Delirium. The Congregation blieb ein One Hit-Wonder.

Aktuell: 1973 löste sich das britische Projekt wieder auf.

Urteil: Beeindruckend arrangierte, wenngleich auch höhepunktarme und allzu dick aufgetragene Rührseligkeit in drei Minuten.

Jan

 

The Congregation – Softly Whispering I Love You

Ein Gedanke zu „The Congregation – Softly Whispering I Love You

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