Datum 1998
höchste Platzierung 3
Album No Time To Chill
Website http://www.scootertechno.com

GRÖHLIGER JAHRMARKTNONSENS

Einmal tief durchatmen, die Gehirnleistung auf ein Minimum reduzieren – und los geht´s: „I want you back for the rhythm-attack. Coming down on the floor like a maniac. I want you back so clean up the dish. By the way, how much is the fish?“ Um einer solch bedeutungsimmanenten Lyrik angemessen zu begegnen, bedarf es mehr als nur einer oberflächlichen Analyse, man muss gewissermaßen tiefer schürfen, um das Werk des großen Dichters der Postmoderne, H.P. Baxxter, angemessen einordnen zu können. Irgendwo zwischen der feinsinnigen Beobachtungsgabe eines Erich Kästners und der grobkörnigen Wortgewalt eines Franz-Josef Wagner offenbart sich hier die Genialität, mit der uns jener ostfriesische Blondschopf zusammen mit den übrigen Bandmitgliedern unzählige Hits beehrte.

Oder zumindest die Originalität, mit welcher das keltische Traditional und von der niederländischen Truppe Bots bekannt gemachte „Son ar ghistr“ bzw. „Zeven Dagen lang“ zum Jahrmarktkracher für Kreuzberger Pubcrawling-Touristen zerdrechselt wurde.

Hierzulande singt man zu der bekannten Stimmungsmelodie zwischen feuchtfröhlichen „Mäxchen“-Spielen und rührseligen Karaoke-Balladen gerne auch mal den Text „Was wollen wir trinken“ – Scooter reichen statt sinniger Texte über exzessiven Alkoholkonsum in diesem Fall auch ein zünftiges „Na na na na na nana nananana nanana na na nanana“, mit dankenswerter Unterstützung einiger Hundert Clubbesucher, die der Dancetruppe die abschließende Hintergrundunterstützung („Come everybody, come on!“) lieferten.

Zu jener Zeit, im Jahr 1998, als Scooter zum nunmehr 9. Mal die Top 10 der deutschen Single-Charts eroberten, hatte das langjährige Bandmitglied Ferris Bühler bereits seit einiger Zeit das Kündigungsschreiben auf dem Tisch liegen. Noch während der Produktion von „How Much Is The Fish?“ übernahm Axel Coon den Part des Synthesizerbedieners. Wie Bühler, ein Cousin des Frontmannes H.P. Baxxter, 12 Jahre später dem RTL-Boulevardmagazin „Exclusiv“ mitteilte, hing dessen erzwungene Ausstieg vor allem mit seinen schweren und von den Kollegen weitestgehend ignorierten Depressionen zusammen, mit denen Bühler lange Zeit zu kämpfen hatte. Mit solch nervigen wie störenden „Unregelmäßigkeiten“ in der sonst so aalglatt-fröhlichen Außendarstellung der Band wollte man sich eben doch nicht länger als nötig auseinandersetzen: „You won’t ever stop this, the chase is better than the catch!“

Also zurück zum Happyhardcore-Exkrement mit jenem Titel, der in Sachen Nonsens nach „Let Me Be Your Valentine“ oder „Back In The U.K.“ neue Maßstäbe setzte – und zur abschließenden Frage aller Fragen, mit der Journalisten wohl noch heutzutage die Jungs um H.P., Rick und Michael regelmäßig zum Abschluss vieler Interviews behelligen: Wieviel kostet denn nun der Fisch? Wir haben die Antworten: Lachsfilet kaltgeräuchert 2,79 Euro/100 kg, Steinbeißer ganz, nicht abgezogen 1,39 Euro/100 kg, Zander Filet gefrostet 1,79 Euro/100 kg, Matjes ganz, frisch 1,09 Euro/100 kg. Quelle: Die Fischpreisliste von Fischers Fischkutter „Mahldorfer Fischkiste“, 2012. Noch Fragen? Ja – wann ging es bei Scooter denn jemals um Titel und Texte?…

Aktuell: Zum 25jährigen Bühnenjubiläum beehrten die Jungs einige Bühnen in Deutschland und benachbarten Ländern.

Urteil: Scooter pur: laut, schrill, banal. Aus einem gröhligen Promille-Traditional ein noch gröhligeres Technonümmerchen zu bauen, verlangt einiges an Respekt ab. Hier wird die Tanzfläche zweifellos böse massakriert.

Jan

Scooter – How Much Is The Fish?
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