Datum 2000
höchste Platzierung 10
Album Back To Life
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ITALO-DANCE MIT BEWÄHRTEN ZUTATEN

„Schon wieder was von Gigi D’Agostino?“, werden wohl viele Clubgänger im Jahr 2000 gedacht haben, als sie diesen Song vernahmen. Zu Recht! Inwiefern hätte man bei dem beliebten Italo-Dance um die Jahrtausendwende auch etwas anderes vermuten können, schließlich war der Turiner DJ um jene Zeit absolut angesagt und beherrschte eine Zeit lang wie kein zweiter die deutsche Clublandschaft. Und auch sonst war die Irritation keinesfalls unbegründet: D´Agostino und Alessandro Moschini, der unter seinem Künstlernamen Marvin bekannt ist, sehen sich – schon angesichts der fehlenden Haarpracht – nahezu zum Verwechseln ähnlich, die Dancebeats gleichen sich, der verfremdet-verzerrte Leadgesang auch und nach dem Karriereboom fristen beide Italo-Acts bis heute ein eher unauffälliges Remixer- und Producerleben in der Heimat. Und wer einmal „Rock The Discothek“ von Prezioso feat. Marvin mit D`Agostinos „Bla Bla Bla“ verglichen und sich die beiden minimalistischen Animationsvideos vor Augen gehalten hat, musste fast davon ausgehen, dass hier ein einziges Produzententeam am Werke war.

„Tell Me Why“ wirkt im Vergleich geradezu poppig, zu dem deftigen Bass & Beats wird sogar fleißig gesungen, nämlich sowas: „I don’t need to say that I’ve been dreaming about you that long long night and I wait for you to call me now and to tell me that you will be mine.“ Ein Fall von unerfüllter Liebe, wie man annehmen darf, von jener gedichteten Tristesse ist im Musikvideo aber nicht viel zu spüren: In weißer Kulisse grabbelt der eine Prezioso-Bruder auf seinen Plattentellern herum, während der andere – der mit der komischen Mütze – in die Keyboard-Tasten haut und Marvin schließlich hingebungsvoll in sein Megaphon fragt: „why you won’t love, why my love?“ Die junge Dame, die sich die clownesken Aufführungen der drei Italiener anschaut, wird wohl hierfür schon ihre berechtigten Gründe haben.

Das war es jedenfalls auch schon mit dem kleinen Hochausläufer im mitteleuropäischen Gebiet: Die Street Parade in Zürich und Love Parade in Berlin nahm man noch schnell mit, und ein Auftritt bei „The Dome“ vor 20.000 Menschen soll selbst Mariah Carey zum Staunen gebracht haben – das stellt Giorgio Prezioso zumindest auf seiner Website fest. Ob er auch sicher ist, dass sie in diesem Moment nicht doch einen Auftritt von Gigi D´Agostino beobachtet hat…?

Aktuell: Mit einem Remix von „Song 2“, im Original von Blur, endet 2011 soweit die Diskographie der zwei Jungs (Giorgio selbst ist 2007 ausgestiegen).

Urteil: Italo-Dance der melodischeren Sorte, natürlich mit großem Ohrwurm-Befall und der Lizenz zum Tanzen, jedoch auch nichts, was durch Originalität und zeitlosem Charme auffiele. Kurz: nett.

Jan

Prezioso feat. Marvin – Tell Me Why
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