Datum 1984
höchste Platzierung 6
Album Patto
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DÜRFTIGER HAUSFRAUEN-RAP

Vorsicht: Hiermit ist nicht die britische Progressive Jazz-Rock Band gemeint, die Anfang der 70er Jahre mit ihrem DebĂŒtalbum die sogenannte Prog Rock-Ära mitbegrĂŒndete. Vielmehr handelt es sich um ein MĂŒnchener Rapduo, das sich bei einem Auftritt im legendĂ€ren WWF Club 1984 von der Moderatorin Marijke Amado belehren lassen musste, dass „Pato“ (wie es richtig geschrieben wird) auf spanisch eigentlich „Ente“ heißt. UrsprĂŒnglich war der Name jedoch zusammengesetzt aus den Vornamen der beiden Musiker – Patrick und Thomas. Dennoch absolvierten sie danach relativ unbeeindruckt zum Vollplayback und mit wirren AnschlĂ€gen auf die beiden aufgestellten Synthesizer ihre Performance vor einem eher wenig enthusiastischen Publikum.

Thomas Fuchsberger wurde zunĂ€chst dadurch bekannt, dass er vor allem der Sohn des Schauspielers Joachim Fuchsberger war. 1981 und 1982 nahm er erfolglos am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Songcontest teil, als SĂ€nger mit „Josephine“ und ein Jahr darauf als Komponist mit „Ich wĂŒrde gern bei dir sein“, vorgetragen von JĂŒrgen Marcus. Patrick Gammon war bereits frĂŒher als Pianist fĂŒr Ike & Tina Turner in Erscheinung getreten und veröffentlichte spĂ€ter zahlreiche Alben als Solist. Wie aus dem Nichts schafften sie nun einen bemerkenswerten Hitparadenerfolg mit „Black & White“. Dass sich dieser dĂŒrftige Hausfrauen-Rapsong recht gut verkaufte, war wohl weniger dem unfreiwillig amĂŒsanten Sprechgesang oder den piefigen, Toleranz predigenden Lyrics („Black and white, is like day and night, thereÂŽs no wrong just right in black and white“) als eher den unĂŒberhörbaren Italodisco-Nuancen, die in Deutschland fĂŒr kollektives HĂŒfteschwingen Mitte der 80er Jahre gesorgt haben, zu verdanken. Gerade einmal zwei Akkorde werden durchexerziert – fĂŒr Keyboard-SchĂŒler womöglich eine willkommene Übungsvorlage, fĂŒr alle anderen ein akustisches Grabmal unter vielen, die es allenfalls auf ein paar preiswerte Sampler zwischen Boytronic und C.C. Catch geschafft haben.

Es blieb bei dem einen Erfolg mit „Black & White“, Patto selbst ist nunmehr auch Geschichte, verbunden mit den Ă€ußerst tragischen UmstĂ€nden, unter denen die beiden Protagonisten aus dem Leben schieden: Thomas, der als kreatives Allroundtalent galt, zahlreiche StĂŒcke fĂŒr TV-Filme und -Serien schrieb und bis zuletzt ein sehr enges VerhĂ€ltnis zu seinem berĂŒhmten Vater pflegte, stĂŒrzte in der Nacht zum 14. Oktober 2010 aus bis heute ungeklĂ€rten UmstĂ€nden in den 2 Metern tiefen MĂŒhlbach bei Kulmbach, wo der schwer Zuckerkranke spĂ€ter tot geborgen wurde. Patrick erlitt 1986 im Drogenrausch einen schweren Unfall, in dessen Folge seine HĂ€nde gelĂ€hmt waren und er fortan die Klaviertasten mit den Knöcheln(!) bediente. SpĂ€ter erkrankte er zunĂ€chst an AIDS, bevor er 1996 schließlich an Lungenkrebs verstarb. Welch bittere Abschiede zweier talentierter „One Hit Wonder“…

Aktuell: Siehe oben.

Urteil: Mageres und kaum nennenswertes SynthistĂŒckchen ohne Substanz und Tiefgang.

Jan

Patto – Black & White
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Ein Gedanke zu „Patto – Black & White

  • Hat dies auf Liebes Tagebuch….. rebloggt und kommentierte:
    Einen Bewertungspunkt hĂ€ttet ihr schon noch drauf legen können, einfach dem Umstand geschuldet, simple is beautiful – ich erkannte die Melodie sofort wieder und bekam sie auch ein paar Tage nicht mehr aus dem Kopf….die fundierten Hintergrundinfos dazu, vielen Dank, wusste ich natĂŒrlich gar nicht.

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