Datum 1997
h├Âchste Platzierung 3
Album Evita
Website http://www.madonna.com/

EVITA IM STREICHERGEWITTER

Ein Land war erbost: Als bekannt geworden war, dass die amerikanische S├Ąngerin Madonna die Rolle der ber├╝hmten argentinischen Nationalheldin Eva Per├│n ├╝bernehmen w├╝rde, lief Argentinien Sturm gegen das Filmprojekt vom Regisseur Alan Parker. Der Mythos um die gro├če Nationalheldin w├╝rde in den Schmutz gezogen werden und die sogenannten Peronisten bef├╝rchteten gar, Madonna k├Ânnte Eva Per├│n als Prostituierte verunglimpfen. Dabei waren im Vorfeld zum Film „Evita“ eher andere Zweifel angebracht, als jene, dass Madonna die sagenumwobende argentinische Pr├Ąsidentengattin nicht im guten Licht erscheinen lassen w├╝rde. Vielmehr war zu bef├╝rchten, die Multimillion├Ąrin w├╝rde diesmal – sowohl angesichts der eigenen limitierten schauspielerischen Begabung als auch des hohen Publicityaufwandes im Vorfeld – an den eigenen hoch gesteckten Anspr├╝chen vollends scheitern.

Umso akribischer bereitete sich Madonna auf ihre Rolle vor, lief vor den Dreharbeiten wochenlang als Eva Per├│n verkleidet durch Buenos Aires, las Biografien und schaute Dokumentationen ├╝ber die ber├╝hmte Pr├Ąsidentengattin. Das Resultat war ein eindimensionales, recht anspruchsloses Gesangsfestival, das von Kritikern zwar recht durchwachsen bewertet wurde, aber dennoch eine ├╝berraschende Siegerin hervorbrachte: Madonna. Sie meisterte die H├╝rde ├╝berraschend bravor├Âs und verlieh dem Blockbuster den notwendigen Glanz. Belohnt wurde sie schlie├člich mit dem Golden Globe, der einzigen wichtigen (positiven) Auszeichnung, die sie in ihrer langen Filmlaufbahn verliehen bekam.

Und dann gab es nat├╝rlich noch den Soundtrack.

Der Song „Don’t Cry For Me Argentina“ stammte aus den Federn von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, die bereits 1977 das Musical „Evita“ geschrieben hatten und nach deren Vorlage 20 Jahre sp├Ąter der Film mit Madonna, Antonio Banderas und Jonathan Pryce entstanden war. Gesungen hatte den Titel Julie Covington, eine m├Ą├čig erfolgreiche britische S├Ąngerin und Schauspielerin, die sich jedoch aufgrund des umstrittenen politischen Hintergrundes Per├│ns weigerte, in dem Musical die Rolle der Evita zu spielen. Dazu lehnte Covington auch jede Promotion zu dem Lied ab, lie├č einen Auftritt bei „Top of the Pops“ sausen und distanzierte sich schlie├člich vollends davon.

Madonna war dennoch klug genug, f├╝r ihre Version das Original nicht allzu stark zu verfremden. Behutsam wird sie vom Orchester begleitet, zur├╝ckhaltend, fast scheu arbeitet sich die S├Ąngerin durch das melancholische Streichergewitter, und fast glaubt man tats├Ąchlich das Resultat des wochenlangen Gesangstrainings im Vorfeld zur Evita-Rolle ihrer Stimme anzuh├Âren. Feierlich und getragen meistert sie in dem Song die entscheidenden Passagen: „Don’t cry for me Argentina. The truth is I never left you. All through my wild days, my mad existence, I kept my promise. Don’t keep your distance.“

„Evita“ wurde und blieb Madonnas Paraderolle. Vier Jahre sp├Ąter folgte „Ein Freund zum Verlieben“ und 2002 der Guy Ritchie-Film „Swept Away“, f├╝r den es ganze f├╝nf Goldene Himbeeren regnete. Weitere Hauptrollen ├╝bernahm Madonna fortan nicht mehr.

Aktuell: Madonna ist und bleibt f├╝r Schlagzeilen gut: Zuletzt mit ihrem verkorksten Comeback-Versuch und ihrem Album „Madame X“, das eher bescheidene Resonanz bekam.

Urteil: Opulentes, dennoch zugleich angenehm zur├╝ckhaltend vorgetragenes Orchesterschauwerk, das eine untypische Madonna in besonderer Hochform zeigt.

Jan

Madonna – Don’t Cry For Me Argentina
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