HUMPES ODE AN DEN SELBSTZWEIFEL

Datum 2007
Platzierung 2
Album Vom selben Stern
Website https://www.ich-und-ich.de/

Mit Ich + Ich hatte sich schon seit einiger Zeit ein erstaunliches Duo gefunden: Annette Humpe, die sich nach langer Zeit der Erfolgslosigkeit wieder in der öffentlichen Wahrnehmung zurückmeldete, und Adel Tawil, ein „Überbleibsel“ aus der unsäglichen Boygroup-Periode Ende der 90er Jahre.

Das zweite Album „Vom selben Stern“ offenbarte einmal mehr der Hang zu handwerklich souverän aufgenommenen Popkreationen, die textlich zuweilen etwas arg verkopft wirkten, aber nur selten – trotz Tawils leicht larmoyant wirkendem Timbre – ins Kitschige abdrifteten. Mit „Stark“ gelang dem Duo wohl der beste ausgekoppelte Song aus ihrer Zusammenarbeit.

Humpes Text beschreibt die typischen Widersprüche zwischen äußerer Selbstgewissheit und innerer Schwäche, sie diagnostiziert – im Video in kühlen Bildern mit einer nächtlichen Taxifahrt durchs Zentrum Berlins unterlegt – den Schmerz jenes Kampfes, ständigen Erwartungen gerecht werden zu wollen, die man nicht zu erfüllen vermag – oder nicht erfüllen will: „Und du glaubst, ich bin stark und ich kenn den Weg, du bildest dir ein, ich weiß wie alles geht. Du denkst, ich hab alles im Griff, und kontrollier was geschieht, aber ich steh nur hier oben und sing mein Lied.“

Im Dezember 2007 schaffte es die Ballade bis auf Platz 2 in Deutschland; die Spitze wurden Humpe und Tawil durch Timbalands Trennungshymne „Apologize“ verwehrt.

Aktuell: Von Ich + Ich ist seit einigen Jahren nichts mehr zu hören. Tawil konzentriert sich vor allem auf seine Solokarriere.

Urteil: Eine der besseren deutschsprachigen Balladen aus den 2000ern: viel Gefühl, stringenter Text, mit gewissem Kitschanteil.

 

Ich + Ich – Stark
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