Datum 1988
höchste Platzierung 3
Album
Website http://www.chrisnorman.de

ORNAMENTLOSES SYNTHESIZER-GEPANSCHE

Eine Leiche liegt in einem Stadtbus in Duisburg. Sein Name: Prinz, Tanzlehrer und zugleich Inhaber eines Tanzstudios. Dessen Frau Manuela wird ganz in der NÀhe des Tatortes gefunden, offensichtlich unter Schock stehend. Der TÀter ist laut Zeugenaussagen ein thailÀndisch aussehender Mann. Doch als Kommissar Horst Schimanski und sein Assistent Christian Tanner den vermeintlichen Mörder zu Hause aufsuchen, ist dieser auch bereits tot. Als sich der ganze Fall auf einen MÀdchenhÀndlerring ausweitet, entwickelt sich die Geschichte wohl doch etwas komplizierter als anfangs vermutet.

Es war der 1. Mai 1988, als die ARD die insgesamt 205. „Tatort“-Folge „Gebrochene BlĂŒten“ mit Götz George als bĂ€rbeißigen Ruhrpottermittler ausstrahlte. Und ein weiterer Film aus dieser Reihe, fĂŒr die Dieter Bohlen die musikalische Leitung hinsichtlich des Soundtracks ĂŒbernahm. Schon 1986 schrieb er fĂŒr die Folge „Der Tausch“ den Titelsong: „Midnight Lady“ von Chris Norman. Es wurde ein ĂŒberragender Nummer 1-Erfolg, sechs Wochen hielt sich der Titel an der Spitze der deutschen Charts. Da sich die Zusammenarbeit zwischen dem ehemaligen Smokie-Leader und dem ehemaligen Modern-Talking-Playboy offenbar Ă€ußerst positiv gestaltet hatte und das ornamentlose Synthesizer-Gepansche Bohlens die dĂŒster abgelichteten Bezirke Duisburgs zwischen Walsum, Hamborn und Rheinhausen ordentlich untermalten, fand man sich alsbald, genauer 1988, erneut im Studio wieder. „Broken Heroes“ also.

Norman, immens erfahren im PoprockgeschĂ€ft, wenngleich stets mit der öden AttitĂŒde des skandalbefreiten Antistars behaftet, bekam das StĂŒck von Bohlen zum Einsingen auf den Tisch geknallt. Als sich herauskristallisierte, dass „Broken Heroes“ sich der gleichen Rezeptur von „Midnight Lady“ bediente, konnte sich der sonst eher diplomatisch-höfliche Brite kaum zurĂŒckhalten und fasste seine Meinung zu dem Song gegenĂŒber Bohlen in einem Wort zusammen : „Crap“. Bohlens englischer Vokabelschatz endete wohl hier, „er musste jemand anderen fragen, was dieses Wort bedeutet und war dann beleidigt, als er hörte, dass ich den Song als Schund bezeichnet hatte“, so Norman in einem Online-Interview. „Also, wenn ich das damals gemacht habe, dann, weil ich es wirklich so empfunden habe.“ (Quelle: chris-norman-live.de).

Wer will dem Smokie-SĂ€nger, der erst 16 Jahre nach „Broken Heroes“ mit „Amazing“ versehentlich nochmal einen Top 10-Hit-Erfolg in Deutschland genießen durfte, da noch widersprechen: Es ist halt Bohlen, von vorne bis hinten, von den Windbeutellyrics („Broken heroes and fallen angels…“) bis zu dem gnadenlos ĂŒberfrachteten SoundgerĂŒst, das so oder Ă€hnlich zuvor schon Heulbojen wie C.C. Catch bzw. spĂ€ter DSDS-Sieger wie Alexander Klaws ausbaden mussten. Zumindest Normans vertraut knarzende Stimmgewalt rettet mal wieder die Reißbrettproduktion aus der niedersĂ€chsischen Hitfabrik.

Das Àndert aber auch nichts: Crap passt schon ganz gut.

Aktuell: „Definitive Collection“ heißt das aktuelle Album, das die grĂ¶ĂŸten Meisterwerke des Ex-Smokie-SĂ€ngers vereint. Zwei Termine stehen 2019 an, in Deutschland und Russland.

Urteil: Eine ĂŒberaus fade Angelegenheit – Norman erstickt quasi in der SynthesizerbrĂŒhe, lieblos zusammengeschustert und billig vom ersten Solohit angekupfert.

Jan

Chris Norman – Broken Heroes

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