Datum 1960
höchste Platzierung 2
Album
Website http://www.dalida.com/

PIAF-CHANSON MIT DEUTSCHEM TEXT UND ORIENTALISCHER EXOTIK

Nein, so düster, so melancholisch konnte man den Deutschen die Neubearbeitung von „Milord“ eigentlich nicht anbieten. Dabei hatte Edith Piaf, die Original-Interpretin des 1960er Klassikers, nun wirklich einige Gründe, jede Menge Gefühl und traurige Erhabenheit in ihre Stimme zu legen: Chronische Arthritis, daraus resultierend Medikamentenabhängigkeit, Alkoholsucht, 1958 dann Zusammenbruch auf einer Bühne, eine diagnostizierte Leberkrebserkrankung – die Zeichen standen in den 50ern nicht besonders gut um die Piaf. Ein bisschen Trost fand sie in ihrem neuen Freund, dem Sänger und Lyriker Georges Moustaki, der ihr auf die Melodie von Marguerite Monnot den Text zu „Milord“ schrieb. 1959 kam das Stück auf den Markt, die französische Chansonsängerin verbuchte ein umjubeltes Comeback.

Zum gleichen Zeitpunkt war die Sängerin und Schauspielerin Dalida, gebürtige Ägyperin und seit 1954 in Paris lebend, bereits auf einem ordentlichen Höhenflug unterwegs: Mit „Am Tag als der Regen kam“ landete sie beim deutschen Publikum einen echten Volltreffer und zugleich den Hit des Jahres 1959, ein Jahr später griff sie sich die Piaf-Nummer „Milord“ und brachte damit gleich den nächsten Riesen-Hit fertig. Ihre Coverversion kommt etwas dynamischer und fröhlicher daher, dazu hat man ein wenig am Text gefeilt: Bei Edith Piaf trifft ein „Herr“ aus der französischen Oberschicht, der zuvor von seiner Frau verlassen wurde, auf ein einfaches Hafenmädchen (euphemistisch für Prostituierte) und lässt sich von ihr wieder aufheitern. So heißt es im Text: „Allez venez, Milord,Vous avez l’air d’un môme, laissez-vous faire, Milord, venez dans mon royaume.“ Der eher bedrückten Grundstimmung, welche die zum jenen Zeitpunkt 43jährige Piaf zum Ausdruck bringt, begegnet die fast 17 Jahre jüngere „Miss Ägypten“ Dalida mit deutlich optimistischeren Worten, geschrieben von Ernst Bader: „Die Welt ist schön Milord, wenn du auch einsam bist, ein neues Glück fängt an wenn du mich heute küsst, du bist allein Milord, man hat dir wehgetan, du hast geweint Milord, komm denk nicht mehr daran.“ Dazu rrrollt sie „R“, als wollte sie hiermit noch eine zusätzliche Stilistik in ihre Darbietung einfügen. Auch klingt Dalidas Aufnahme in den Refrainparts etwas rhythmischer und schneller.

Die Glamoröse und die exotische Schönheit: In einem YouTube-Beitrag * schmettern beide französischen Chansonniers den Klassiker „La Vie en rose“ ganz einvernehmlich – wenngleich auch nur als zusammengesetzte Aufnahmen…

Aktuell: Beide großen Damen, deren Gemeinsamkeit sowohl die Zusammenarbeit mit Georges Moustaki als auch die Veröffentlichung dieses Liedes war, verstarben bereits vor vielen Jahren unter jeweils tragischen Umständen.

Urteil: Hier gelingt tatsächlich der Spagat zwischen dem Versuch, dem Original gerecht zu werden und eine eigene persönlichere Note zu integrieren. Dalidas „Milord“ ist verdeutschter Chanson mit einer großen Portion französischem Lebensgefühl.

Jan

 

 

Dalida – Milord
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