Datum 1987
höchste Platzierung 1
Album True Blue
Website http://www.madonna.com

AMERIKANISCHE INSELPHANTASIEN

„La Isla Bonita“ war bereits die fünfte Single, die aus Madonnas dritten Studioalbum „True Blue“ ausgekoppelt wurde. Nach „Live To Tell“, „Papa Don´t Preach“, dem Titelsong sowie „Open Your Heart“ gelang ihr nun erneut ein Nummer 1-Hit in Deutschland und Großbritannien, Platz 4 wurde es in den USA. „True Blue“ legte nun endgültig das Fundament für die einzigartige Weltkarriere der US-Amerikanerin: Pop-Arrangements in Vollendung, weniger girlie- und tussibemühter als beim Vorgänger „Like A Virgin“, sondern gereifter und mit ersten Ausschweifungen hin zu fundierteren Themen. Zurecht verdrängte das Album im Hochsommer 1986 Modern Talkings „Ready For Romance“ von der Spitze und besetzte diese überragende acht Wochen lang, bis der „Top Gun“-Soundtrack die Chartsführung übernahm. In den Singlecharts löste „La Isla Bonita“ erst im Mai 1987 John Farnhams „You´re The Voice“ auf Platz 1 ab, ein paar Wochen später bereitete eine gewisse Whitney Houston der Omnipräsenz Madonnas für einige Zeit ein Ende.

Ursprünglich war der Song für Michael Jacksons neues „Bad“-Album geplant, dieser lehnte jedoch ab. Und so besang eben die junge Mrs. Ciccone jene „wunderschöne“ Insel San Pedro, nach der sich gewiss der ein oder andere Zuhörer im Reisebüro seiner Wahl erkundigt haben dürfte, jedoch, wie Madonna selbst in einem Interview mit dem Musikmagazin „Rolling Stone“ zugab: „I don’t know where that came from. I don’t know where San Pedro is. At that point, I wasn’t a person who went on holidays to beautiful islands. I may have been on the way to the studio and seen an exit ramp for San Pedro.“ (Quelle: songfacts.com) Da Madonna zu jenem Zeitpunkt mit ihrem Ehemann Sean Penn im kalifornischen Beverly Hills wohnte, könnte ihr möglicherweise auf dem Weg ins Studio die Autobahnausfahrt nach San Pedro, einem Ortsteil von Los Angeles aufgefallen sein, das sie schließlich zur Benennung des fiktiven spanischen Eilandes inspiriert haben könnte.

Zu kubanisch-rhythmischen Klängen und später einsetzenden spanischen Gitarren lobpreist sie: „Tropical the island breeze, all of nature, wild and free, this is where I long to be, la isla bonita.“ Und obwohl Samba vielleicht nicht unmittelbar als Bestandteil spanischer, sondern vielmehr brasilianischer Kultur begriffen werden darf, singt sie soweit ganz unportugiesisch: „And when the samba played, the sun would set so high, ring trough my ears and sting my eyes, your Spanish lullaby.“

Pop darf das, und das Lied lässt – nicht zuletzt auch durch das etwas kitschige und klischeeverliebte Musikvideo – dank der Symbiose sommerlich-lateinamerikanischer Klänge und europäischer Synthesizermoderne Sehnsüchte nach südlichen Ferienaufenthalten aufkommen. Vielleicht genügen dann ja auch die Balearen…

Aktuell (2019): Der Abgesang auf die Popdiva wurde bereits mit dem letzten Auftritt beim Eurovision Song Contest in Israel eingeläutet. Auch ihr neuestes Album „Madame X“ macht wenig Hoffnung, dass es anders kommt.

Urteil: Bewährt souveräne Poparbeit von Madonna, eines der guten Stücke auf einem sehr guten Album. Hübsche Melodie, feinfühlig gesungen.

Jan

 

Madonna – La Isla Bonita
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3 Gedanken zu „Madonna – La Isla Bonita

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