Datum 1973
h├Âchste Platzierung 2
Album Kincade
Website http://www.paulgriggs.com/

DREI HIPPIES UND EINE MITKLATSCH-NUMMER

Die gro├če Showb├╝hne ist des Meisters seine Sache nicht, in Ilja Richters „disco“ oder gar der ehrw├╝rdigen ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck aufzutreten, w├Ąre f├╝r ihn wohl nie in Frage gekommen. Aber Anfragen gab es, zuhauf wahrscheinlich, schlie├člich gelang dem britischen Musikproduzenten Larry Page ausgerechnet in Deutschland ein riesiger Erfolg mit „Dreams Are Ten A Penny“. Die Briten verweigerten sich dem Ohrwurm und lie├čen sich lieber von den Glamrock-Titanen The Sweet, Slade und Gary Glitter verzaubern, hierzulande jedoch begeisterte man sich f├╝r den Popsong, den Page in Zusammenarbeit mit dem Songwriter John Carter und dessen Frau Gill geschrieben hatte.

Die Bezeichnung Kincade hatte sich Page von einem Wrestler gleichen Namens, den er einst im Fernsehen gesehen hatte, entliehen. Nun brauchte es nur noch gestandene M├Ąnner, die sich mutig vor die Studiokameras der ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten trauten und den Song pr├Ąsentieren konnten. Page und Carter fanden sie in jenen Musikern, die das St├╝ck mit eingespielt hatten: Rick Williams sowie die Gebr├╝der Paul und Nigel Griggs. Zuvor hatte John Knowles, der ebenfalls an den Aufnahmen beteiligt war, Carter einen Korb gegeben und sich geweigert, als Kincade aufzutreten. Bald darauf widerrief er zwar seine Ablehnung, aber da war es schon zu sp├Ąt: Das heimische Publikum klatschte bereits zu den drei schnurrb├Ąrtigen Hippie-Karikaturen mit f├╝lligem Haar und entr├╝cktem Blick, die allesamt fr├Âhlich mitsangen und ihre Gitarren rhythmisch bedienten. Ein fr├╝her Fall von „Frank Farianismus“: Gesang und Gitarren-Hookline wurden urspr├╝nglich komplett von John Carter eingespielt.

„Jenny, Jenny, dreams are ten a penny, leave them in the lost and found. Jenny, Jenny, dreams are ten a penny, get your feet back on the ground“ hei├čt es im Refrain, was soviel ├╝bersetzt hei├čt wie: „Jenny, Jenny, Tr├Ąume gibt es wie Sand am Meer, lasse sie im Fundb├╝ro, (…) bekomm┬┤ deine F├╝├če wieder auf den Boden.“ Was den Briten wohl letztlich zu simpel gestrickt und bieder wirkte, war den Deutschen angesichts des wenig tiefgr├╝ndigen Textes und des z├╝nftigen Mitklatscheffekts gerade gut genug. Da den drei singenden Wollkn├Ąueln die Auftritte vor deutschem Publikum offenbar zunehmend Spa├č bereiteten, machten sie mit dem Nachfolgetitel „Do You Remember Marilyn“ gleich weiter, w├Ąhrend John Knowles sich nun John Kincade nannte und von Carter ebenfalls ein paar Stimmungslieder auf den Leib schrieben lie├č. Mit „When“, einem Kalin Twins-Cover, gelang ihm dann 1975 auch der erstmalige Einstieg in die Charts – in die deutschen, versteht sich.

Schon Mitte der 70er waren die Karrieren der Gruppe, des S├Ąngers und des Projektes Kincade weitestgehend beendet.

Aktuell: John Kincade alias John Knowles arbeitet in Schweden als Coach f├╝r Pops├Ąnger, Nigel Griggs tritt manchmal noch mit seiner ehemaligen Band Split Enz auf, sein Bruder u.a. mit Guys n┬┤Dolls, ebenfalls aus fr├╝heren Tagen. Und John Carter produziert auch heute noch flei├čig.

Urteil: Stimmungsvolles, zugleich aber auch bewusst einfach gehaltenes Uptempo-St├╝ck, das beim zweiten H├Âren schon als ziemlich eint├Ânig empfunden wird.

Jan

Kincade – Dreams Are Ten A Penny
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