Datum 2000
höchste Platzierung 6
Album Who Let The Dogs Out
Website http://www.bahamen.com/

BELL- UND GRÖHL-NONSENS

Wen überkommen bei solchen Vorstellungen nicht grenzenlose Urlaubssehnsüchte – feine weiße Strände, türkisfarbenes warmes Wasser, traumhafte Temperaturen von 28 Grad fast das ganze Jahr hindurch, ein wahrlich paradiesisches Ferienziel für Sonnenanbeter: die Bahamas. Allerdings ist auch dieser atlantische Inselstaat nicht frei von gewissen Makeln: Hier wird noch immer die Todesstrafe praktiziert, Geldwäsche und ausbeuterischer Massentourismus sind an der Tagesordnung und die Baha Men sorgten für eines der lästigsten Dauerbrenner des chartstechnisch gesehen eh schon kläglichen Jahres 2000: Wieviel von dem auf den Bahamas äußerst beliebten weißen Rum, wieviele „Planters Punches“ und „Yellow Birds“ muss man getrunken haben, um mit einer solch nervenstrapazierenden Bell- und Gröhl-Nummer wie „Who Let The Dogs Out“ systematisch die Beachbars und „Spring Break“-Parties auf den anderen Kontinenten akustisch zu verunreinigen?

Hat man bis dato die Negativvariante zum Grammy (welchen der Titel in der Kategorie „Dance“ auch noch tatsächlich kassierte) schmerzlich vermisst, für dieses aggressive Soca-/Junkanoo-Gedröhne wäre ein Pendant zur „Goldenen Himbeere“ durchaus angebracht gewesen: Vom Nonsens-Inhalt („Say, a doggy is nuttin‘ if he don‘ have a bone. All doggy, hold ya‘ bone, all doggy, hold it. A doggy is nuttin‘ if he don’t have a bone, all doggy, hold ya‘ bone, all doggy, hold it“) bis zu den fiesen Organen der zahlreichen Mitstreiter rund um Rik Carey bleibt der gesamte Track ein Fall für Justizvollzugsbeamten, die damit widerspenstige Häftlinge garantiert bis zum Gnadenersuch foltern könnten. Neben dem Grammy kassierten die Baha Men (die unter diesem Namen bereits seit 1991 existieren) übrigens auch die Billboard Music Awards in den Kategorien „World Music Artist of the year“ sowie „World music album of the year“. Dieser Preis orientiert sich allerdings vorwiegend an den Verkaufszahlen, nur zur Erläuterung.

An anderer Stelle jedoch ließ man Vernunft walten und verortete „Who Let The Dogs Out“ tatsächlich dorthin, wo es auch hingehörte: in die Liste der „worst songs ever“, die sich vorwiegend an den Zusammenstellungen diverser Magazine und Musikkritiker orientiert. Hier leisten prominente Mitstreiter wie Starships „We Built This City“, Don Johnsons „Heartbeat“ als auch das Beatles-Stück „Ob-la-di, Ob-la-da“ dem Baha Men-Auswurf fröhliche Gesellschaft (leider wurden deutsche „worst songs“ wie „Ich geh´ nicht ohne dich“ von Walter, „Fred come to bed“ von E-Rotic oder nahezu alles von den DSDS-Gewinnern ignoriert).

Zurück von den Baha Men zu den Bahamas (Wortspiel erkannt?): Wer sich noch kurzfristig für ein paar entspannte Tage in diesem Urlaubsparadies entscheiden möchte, für gut 2000 Euro pro Person gibt es schon 5 Tage All Inclusive inklusive Flug und Hotel. Mit Meerblick. Und weißem Sandstrand. Und viel schöner Soca- und Calypso-Musik – garantiert chartsfrei!

Aktuell: Neuer Song heißt „Let’s Go“, und 2019 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Urteil: Partykracher ja, aber zugleich auch ein lauter, nerviger, sinnfreier, kurz: überflüssiger. Ruft die Hunde zurück!

Jan

Baha Men – Who Let The Dogs Out
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