Datum 1997
höchste Platzierung 3
Album Sunmachine
Website http://www.dariog.tv/

ERMÜDENDER DSCHUNGELDANCE

Die großen Zeiten des britischen Fußballclubs Crewe Alexandra liegen auch schon ein paar Jahre zurück. Immerhin gelang 2012 wieder der Aufstieg in die Football League One, der dritthöchsten Spielklasse in Großbritannien. Aber der Verein, der in der Grafschaft Cheshire im Nordwesten des Landes beheimatet ist, spielte auch schon mal am Rande der Erstklassigkeit: Zwischen 1997 und 2002 trat Crewe in der First Division, also in der 2. Liga an, und schaffte 2003 noch einmal die Rückkehr in diese Spielklasse. Verantwortlich für diese Blütezeit war der italienische Trainer Dario Gradi, ein gewiefter Taktikfuchs und engagierter Befürworter der Jugendförderung, für die Crewe über viele Jahre hinweg als Vorbild diente. Inzwischen hat sich Gradi auf den Managerposten bei Crewe zurückgezogen.

Gegen eine solch kontinuierliche und lang andauernde Erfolgslaufbahn hätte Paul Spencer, seines Zeichens Produzent und DJ, sicherlich auch nichts gehabt. Aber das Projekt Dario G, dessen Name eben auf den erwähnten Trainer zurückgeht, sollte im Wesentlichen vier Jahre andauern, bevor die Chartsplatzierungen den Bach hinuntergingen. Der Auftakt war 1997 jedoch fulminant geglückt: Aus dem ersten Album „Sunmachine“ erfolgte die erste Auskopplung „Sunchyme“ und damit gleich der erste Chartbreaker, in Deutschland gelang der Sprung auf Platz 3. Besonders darüber freuen durften sich vermutlich Nick Laird-Clowes, Kate St. John und Gilbert Gabriel von der Folkrock-Gruppe The Dream Academy. Dem Trio gelang in den 80ern und Anfang der 90er Jahre aus kommerzieller Sicht nahezu nichts Nennenswertes – außer eben dieser eine Song, aus dem sich Dario G ihr charakteristisches Thema bzw. Sample herausfilterten: „Life In A Northern Town“.

Aus dem beatlosen Harmonieungetüm von 1985 schnitten sich Spencer & Co. das dschungelig-exotisch anmutende „A hey ma ma ma“ heraus, dazu die dazugehörigen zwei, drei Akkorde und Synthispuren und verarbeiteten diese in den gesamten 3:55 Minuten auf wenig innovative, vielmehr ermüdende Weise. Origineller als das lieblos wirkende Cover ist da schon das Musikvideo, das vor bezaubernd bunter Kulisse als Wildkatzen und Zebras bemalte Statisten vor die Kamera scheuchen lässt. Mit etwas mehr Chuzpe und Charakter, vor allem gesanglicher Hingabe ausfüllt, ist da schon eher die Version der Gruppe Sugarland, die sich 2008 an eine Interpretation von „In A Northern Town“ herantraute.

Ob Dario Gradi sich übrigens davon beeindrucken ließ, dass sich ein britisches DJ-Trio einst seinen Namen „lieh“, um damit Europas Hitparaden zu erobern, ist nicht bekannt. Der Mann ist Jahrgang 1941 – Produktionen wie „Sunchyme“ dürften wohl spurlos an ihm vorübergegangen sein…

Aktuell: 2010 versuchte sich Dario G (inzwischen nur noch aus Paul Spencer bestehend) nach 1998 und 2006 an einem weiteren Beitrag zu einer Fußball-Weltmeisterschaft: „Game On“, featuring Pitbull. Resonanz: Null.

Urteil: Blasses und letztlich langweiliges Dance-/Trance-Liedchen, das eher auf das liebreizende Original von The Dream Academy verweist als selbst in irgendeiner Form zu glänzen vermag.

Jan

Dario G – Sunchyme
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