Datum 2003
höchste Platzierung 6
Album Dangerously In Love
Website http://www.beyonce.com/

HOCHGLANZEROTIK NACH BUSINESSPLAN

Großartiges Aussehen, fantastische Stimme, souveräne Choreographien: Da konnte nun wirklich nichts mehr schief laufen für die neue Pop-Aphrodite des jungen Jahrtausends. Eben noch ein sicherlich herausragend talentiertes Mitglied der Feministengruppe Destiny’s Child, nun auf einem guten Weg, die trantütige Weiberelite der US-amerikanischen R’n’B-Kultur – Kelis, Ashanti, Monica – mit einem Debütalbum gnadenlos aus dem Weg zu räumen. Und es gelang ihr furios, Beyoncé übertraf alle Erwartungen. Während die Britneys, Christinas und wie sie alle hießen sich reihenweise in mittelschwere bis geschäftsschädigende Skandalitäten hineinritten, erarbeitete sich die Texanerin Knowles ihre Karriere geradewegs wie auf der Grundlage eines durchgerechneten Businessplanes. Nichts schien dem Zufall überlassen: Kontakte, Image, Produktionen.

Dass sie trotzdem bei all der Perfektion nicht die Farblosigkeit einer Mariah Carey übernahm, hatte sie vor allem den enorm gut ausgetüftelten Songmaterialien zu verdanken: Ein R’n’B-Feger wie „Crazy In Love“ hätte auch ein recht dröges Debüt abgeben können – tat es jedoch nicht. Genauso wie der Rest des Albums „Dangerously In Love“ stimmten Rhythmen und Dynamik, Stimmgewalt und Instrumentierung. Nicht unwesentlich verantwortlich für das Gelingen war der Produzent Rich Harrison. Der damals 28-Jährige hielt ein Sample von „Are You My Woman? (Tell Me So)“ der Chi-Lites in der Hand und suchte nach der passenden Interpretin seiner neuesten Retro-Kreation. Ausgerechnet Beyoncé meldete sich bei ihm, fand sich bald darauf im Studio ein und ordnete an, dass Harrison doch bitte während ihrer zweistündigen Siesta das Songwriting fertigmachen sollte. So geschah’s, Jay-Z hinterließ später noch schnell einen Rap auf dem Track, und nur drei Monate später war „Crazy In Love“ auf CDs gepresst.

„Got me looking so crazy right now, your love’s got me looking so crazy right now…“ So schallt es zum Refrain, ein klassisches Liebeslied halt. „Romantic obsession“ glaubte eine Redakteurin der Los Angeles Times aus der Nummer heraushören zu können. Beyoncé bestätigte diese Auffassung später. So gehe es um das Gefühl des Verliebtseins, wenn das Herz offen sei und man Dinge tue, die sich nicht rational erklären ließen. Dieses Gefühl war der Sängerin sicherlich nicht fremd – bereits seit 2002 war sie mit Jay-Z liiert, doch öffentlich wurde die Beziehung erst nach der Zusammenarbeit mit dem Rapper.

„Crazy In Love“, im Übrigen auch Soundtrack zur Komödie „Bridget Jones“, holte sich zwei Grammys ab, Platz 1 in den USA und jede Menge positive Kritiken. Dazu kam ein Musikvideo, das auf beeindruckende Weise burleske Hochglanzerotik als verführerische Tanzperformance verkaufte. – es war rund herum ein grandioses Debüt. Der Businessplan war zweifelsohne voll aufgegangen.

Aktuell: Noch immer schwebt sie auf einem echten Popularitätsschub, das selbstbetitelte 2013er Album erreichte, wie alle Platten zuvor, die Spitze der Charts.

Urteil: Flottes, energiegeladenes Funk-R’n’B-Stück, das viel Esprit, ein Schuss Exotik und jede Menge Frauenpower versprüht. 8 von 10 Punkten

Jan

 

Beyoncé – Crazy In Love

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.