Datum 1987
höchste Platzierung in den dt. Charts 3
Album The Living Daylights – Soundtrack
Website http://a-ha.com/

SOUVERÄNER BOND-BEITRAG MIT TÜCKEN

Ein neuer Bond. Nichts Neues, schließlich war es bereits der 15., und seit „Der Spion, der mich liebte“ (1977) kam alle zwei Jahre ein neuer 007-Blockbuster auf die Kinoleinwände. Aber nach insgesamt sieben Filmen mit Roger Moore in der Hauptrolle übernahm plötzlich ein relativ unbekannter Waliser namens Timothy Dalton den Part des coolen Agenten Ihrer Majestät, und der wurde von den Fans mit äußerst viel Skepsis beäugt. Statt eines omnipotenten Actionhelden, der sich seine Umwelt mit dessen Sarkasmus konsequent auf Distanz hielt, bekam der Zuschauer in „Der Hauch des Todes“ einen deutlich mitfühlenderen und temperamentvolleren Hauptdarsteller zu Gesicht, der sich routiniert, aber auch deutlich humorloser durch eine Aneinanderreihung von Explosionen, spektakulären Verfolgungsjagden und intensiven Kampfszenen kämpfte. Während die heutige Kritik Timothy Dalton ein durchaus gelungenes Debüt und eine gute schauspielerische Leistung bescheinigt, vermisste man damals jedoch häufig Chuzpe und Profil. Ähnlich umstritten ist bis heute die Qualität des gesamten Films, der in diversen Abstimmungen wahlweise die oberen oder niedrigeren Plätze einnimmt.

Und der Soundtrack? Nach den Amerikanern (Rita Coolidge) und Briten (Duran Duran) waren jetzt die Norweger an der Reihe, und da a-ha in der zweiten Hälfte der 80er Jahre eh gerade auf einer Welle des Erfolges surften und neben der Produktion ihres neuen Albums „Stay On These Roads“ noch ein wenig Zeit freischaufeln konnten, setzten sie sich mit dem britischen Filmkomponisten John Barry zusammen und schrieben an „The Living Daylights“. Die Zusammenarbeit muss eine Katastrophe gewesen sein, zumindest so schwierig, das Barry nach vielen Jahren seines Engagements für die James Bond-Reihe dieser plötzlich den Rücken kehrte – und trotz vielfacher Bitten seitens Hollywood nicht mehr zurückkam. Zunächst wurde eine Version mit Barry als „Co-Producer“ komponiert, kurz darauf produzierten Harket & Co. jedoch eine überarbeitete Fassung ohne Barrys Beteiligung, die sie schließlich auf ihrem nächsten Studioalbum veröffentlichten. Barry war offenbar sichtlich beleidigt und ließ bald verlautbaren, die vier Musiker hätten sich „wie Hitlerjungen“ aufgeführt und die Arbeit mit ihnen vergleichbar mit einem Tischtennisspiel und vier Bällen. (Quelle: Stuttgarter Zeitung)

Abgesehen von jenen atmosphärischen Störungen im Studio war „The Living Daylights“ ein durchaus passender James Bond-Titel und verdienter a-ha-Beitrag – die Synthese aus den typischen weichen Synthisounds mit angedeuteten Akustikgitarren, mit denen es sich die Norweger in den 80ern im Mainstreampop gemütlich gemacht haben sowie den eingängigen Melodien, die das weiche Timbre von Morten Harket zart umspülen funktioniert auch hier tadellos. Dazu wird die Nähe zum James Bond-Thema unverkennbar angedeutet. Und nicht zuletzt spielt selbst das Musikvideo im Londoner Filmstudio (The Albert R. Broccoli 007 Stage), in dem bereits „Superman“, Bond´s „Octopussy“ und „Aliens“ ihre cineastische Geburt erlebten.

Übrigens: Für das eher konservative Musikmagazin Rolling Stone war der Song unter den besten James Bond-Titeltracks immerhin einen ordentlichen 7. Platz wert. Dafür hat sich der Ärger mit John Barry am Ende sicherlich gelohnt.

Aktuell: Erst groß inszenierte Bandauflösung, nur wenige Jahre später das Comeback: a-ha sind aktiver denn je. Bis 2016 ging es auf Tour, 2018 soll es weitergehen, u.a. mit einigem Akustik-Material.

Urteil: Souverän produzierte Mitsing-Hymne (auf Live-Konzerten einst ein sicherer Publikumsfeger), zugleich für die sonst mystischen James Bond-Titel verhältnismäßig temporeiches Synthiwerk, das vor allem und wieder mal durch Harkets Gesang lebendig wirkt.

Jan

(Beitragsbild: Universal Music)

a-ha – The Living Daylights

3 Gedanken zu „a-ha – The Living Daylights

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