PATHOSRIEFENDE 90er BIS 2000ER-ÄSTHETIK
“Dramatische Streicher treffen auf Signature-00s Drums”, heißt es beim Release-Artikel von Diffus. Ein bisschen dick aufgetragen, darf man sagen, angesichts der eher dünn wirkenden Kollaboration zwischen dem Aachener Jazeek und dem Bietigheim-Bissingener Shindy. “Parfum” war die erste Auskopplung aus Jazeeks viertem Album “4Lap”, Shindy hatte bereits über zwölf Jahre im Musikgeschäft auf dem Buckel und zuvor sein siebtes Album (“Love My People”) veröffentlicht.
Der Song bedient sich des Sounds der frühen 2000er Jahre, mit deutlichen R&B-Einflüssen und viel pathostriefender 90er-Jahre-Ästhetik im Musikvideo. Textlich ist “Parfum” bestens auf den gefühlig-tränigen Gesang von Jazeek und die strenge, unterkühlte Rapeinlage Shindys abgestimmt: Es geht um Untreue, Vertrauensbruch und Eifersucht.
“Sag mir, wo du warstHör auf mit den LügenKann dich nicht umarmenSonst riech’ ich sein Parfüm, Babe.”
Nichtsdestotrotz fiel der Erfolg recht respektabel aus: Platz 2 in den deutschen Charts, drei Wochen in den Top 10, über 35 Millionen Spotify-Streams. Und zudem der Auftakt für eine überaus erfolgreiche zweite Jahreshälfte vor allem für Jazeek: Der 23-Jährige wurde nicht nur 2025 NRW-weit am meisten gestreamt und erhielt einen Award für das erfolgreichste Musikvideo (“Akon”), auch seine “Star-Boy”-Tour durch insgesamt elf Städte pushte seine Karriere zusätzlich.
Da dürfte diese eher blasse Retro-Midtempo-Ballade nicht unbedingt schwer ins Gewicht fallen.
Urteil: Auch wenn man dem Song aufgrund seiner eher blutarmen Wirkung nicht viel abgewinnen muss, den Abstand zu deutlich billigeren Produktionen aus dem Deutschrap-Dschungel wahrt er auf alle Fälle.
