Chris Roberts – Hab’ ich dir heute schon gesagt, daß ich dich liebe

Album:
Zum Verlieben
Höchste Platzierung: 
3
Erscheinungsjahr:
 1971
Albumcover:
Musikvideo:

EIN SCHLAGERBALLÄDCHEN ALS TROSTSPENDER

Na, da sollte doch niemand behaupten, die Deutschen hätten Anfang der 70er Jahre nicht auch Sorgen gehabt. Man machte sich Gedanken über Umweltprobleme (Müll, Abgase, verschmutzte Flüsse) und die steigende Inflation. Man diskutierte die schleichende Verrohung der Kultur: Im Fernsehen lief nur noch hirnzerschmelzende Familienunterhaltung (“Am laufenden Band”), ein banaler Disney-Hit (“Aristocats”) wurde der erfolgreichste Kinofilm, The Who und David Bowie durchbrachen Konventionen und verdarben die Jugend.

Wer hatte das noch erkannt? Genau, der Münchener Elektromechaniker mit der kleister-schmalzige Schlagerchansonstimme, Chris Roberts. In seiner mindestens genauso kleister-schmalzigen Schlagerchansonballade “Hab’ ich dir heute schon gesagt, daß ich dich liebe” thematisiert der 27-Jährige auf sehr pointierte Weise, was einfach alles schiefläuft in jenem Jahr 1971: “Telefone, Schreibmaschinen, Ladentische, finstere Mienen. Keiner hat mehr Zeit, die Welt zu sehen.” Gramvoll beschreibt der Romancier, wie inmitten von Kommunikationsterror und Konsumrausch der Blick auf das Schöne verloren gegangen ist. “Fernsehkasten, Fußballspiele, Krimiserie, Sorgen viele. Und schon ist es Zeit zum Schlafen gehen.” Auch richtig, erst lief “Hawaii 5-0” in der ARD, dann irgendein verschobenes Spiel aus dem legendären Jahr des Bundesliga-Skandals … alles wahrlich hoffnungslos, wie soll man da die Bettruhe genießen. Und damit endet das Leiden noch nicht. Noch einmal Zitat Roberts: “Kinderlärm und Steuerprüfer, Luftverschmutzung, tausend Spießer, machen jede Stunde zum Vulkan. Rauschgiftsorgen, Wahltermine, Partygäste nur Routine. Morgen früh fängt es von vorne an.”

Kinderlärm in einer Reihe mit “Rauschgiftsorgen”? Wie auch immer, Roberts’ Ode an die Liebe in Zeiten des Niedergangs war bereits der fünfte Top 10-Hit in Deutschland, erreichte hier Platz 3 und sogar in der Schweiz einen fulminanten sechsten Rang. Geschrieben wurde das Werk vom Hitfabrikanten Werner Twardy, produziert von Hans Bertram.

Ach übrigens: Der Song kam auch zum Einsatz in einer Filmkomödie in jenem Jahr: “Rudi, benimm dich!” Die Kritik dazu? “Witzlose Klamotte” (film-dienst). So hat Roberts mit seinem Liedchen doch glatt noch seinen Anteil am Niedergang der Hochkultur gehabt …

Urteil: Ein Schlagerballädchen, das eher wenig Esprit versprüht.

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