EIN GEORGE-MICHAEL-TRUBUTE ALS ABRECHNUNG
Scott Borchetta war ein weitestgehend erfolgloser Musiker, mit seiner Glamrock-Band “Burning Hearts” gewann er wahrlich keinen Blumentopf. Aber er hatte ein Gespür für musikalische Trends und Vermarktungsstrategien, was Borchetta den Eintritt in die US-amerikanische Musikindustrie verschaffte. 1985 begann er beim Label MTM Records, drei Jahre später war er als freier Promoter unterwegs. 2005 gründete er seine eigene Plattenfirma: Big Machine Records. In derselben Zeit entdeckte Borchetta ein junges Mädchen, 14 Jahre alt, das in Nashville sein Glück als Countrymusikerin suchte. Und so begann die wahrlich unfassbare Karriere der Taylor Alison Swift.
14 Jahre später mochte sich die Multimillionärin aus Penssylvania nicht mehr so gerne an diese Zeit erinnern. Das Verhältnis zu Borchetta war in jenem Moment zerstört, als dieser für 300 Millionen Dollar Big Machine Records und in dem Zuge das gesamte Musikarchiv von Swift an den umstrittenen Manager Scooter Braun verkaufte. Dem Unternehmer gehörten fortan die ersten sechs Alben von Swift.
Vieles spricht dafür, dass “Father Figure” vom 2025er Erfolgsalbum “The Life Of A Showgirl” Scott Borchetta adressierte. In einem Tumblr-Beitrag von 2019 ließ die Sängerin ihrem Frust freien Lauf, von fehlender Loyalität und persönlicher Verletzung war da die Rede. Die einstige “Vaterfigur” wurde zu eine der größten Hassfiguren ihrer Karriere.
Die Lyrics des Songs lassen den thematischen Zusammenhang erahnen, wenngleich Swift in einem Interview mit Jimmy Fallon andeutete, sie hätte sich von Logan Roy aus der Serie “Succession” inspirieren lassen. Musikalisch ist der Bezug zum gleichnamigen Titel von George Michael aus dem Jahr 1987 zumindest deutlich sichtbarer. Aber gerade wenn es um Taylor Swift geht, scheinen Interpretationswillkür und Zufallsdeutungen unter Musikredakteuren und eingefleischten Fans grenzenlos zu sein …
Urteil: “Father Figure” ist von ihrem insgesamt sicher soliden Album eines der schwächeren Titel.
