Datum 1988
höchste Platzierung 7
Album Stay On These Roads
Website http://a-ha.com/

ANSCHMIEGSAME SYNTHI-FLÄCHEN

A-haAnmutig schwebt das auf einem Roland D-50 eingespielte Melodien-Thema über den Refrain hinweg, betörend wie das Sirenengeheul in Homers „Odyssee“, den hohen, fast wehklagenden Worten des Sängers folgend, der von „my love“ wiederholt den Verbleib auf dem eingeschlagenen Weg einfordert und ein baldiges Zusammentreffen in Aussicht stellt: „Stay on these roads. We shall meet I know, stay on my love. We shall meet I know, I know.“ So in etwa könnte man den Titelsong des gleichnamigen dritten a-ha-Albums „Stay On These Roads“ zusammenfassen, das 1988 mit insgesamt 4 Millionen Einheiten schon etwas hinter den Erwartungen der inzwischen erfolgsverwöhnten Band zurückblieb, aber mit fünf ausgekoppelten Singles und sowohl einer erneuten Platz 2-Platzierung in Großbritannien als auch dem Spitzenplatz im heimatlichen Norwegen dennoch recht souverän abschnitt. Jedoch, die Kritiken waren eher lau: Zu poppig, zu glatt, kaum Fortschritte zum vielschichtigeren Vorgänger „Scroundel Days“. Und während sich auf der hauseigenen Website zu jener Platte noch ganze fünf Rezensenten finden lassen, die hingebungsvoll über die besonderen Merkmale dieses Albums schreiben, findet sich mit Richard JD Bone gerade einmal ein einziger „Experte“, der etwas mit „Stay On These Roads“ anfangen kann: „Despite this, Stay on These Roads is an album to which one can always return for entertainment or an ambient sound.“ (Quelle: A-ha Website) Grenzenloser Enthusiasmus klingt vielleicht doch ein wenig anders.

Aber der Song reißt es im Wesentlichen heraus, denn das Triefig-Larmoyante, was Morten Harkets Gesang immer ein wenig zu eigen ist, schmiegt sich perfekt an die Synthi-Flächen an, mit denen die Norweger Ende der 80er stärker denn je hantieren. Dazu das Video, das inzwischen sogar neben „Take On Me“ einen gewissen Kultcharakter aufweist – vielleicht auch, weil es eher unfreiwillig komisch die drei eher schmächtigen Jungs um die 30 mit saucoolen Motorrad-fahrenden Typen in Lederjackenmontur auf dem Highway assoziieren soll. Aber irgendwie waren sie ja auch auf dem Weg erwachsen zu werden, und ihrem Image der „Bravo“-dienlichen Boygroup mit den Hang zu New Wave-angehauchten Popwerken mussten sie eh bald Tribut zollen, als sich die Öffentlichkeit in den 90ern nach „East Of The Sun, West Of The Moon“ weitestgehend von den Skandinaviern abwendete.

So wie die Band letztlich selbst hat auch „Stay On These Roads“, zweifellos eine der schönsten Balladen der Norweger, diese lange Durststrecke problemlos überwunden. Nochmal der angesprochene Bone: „The title track opens the album and sets the standard of class and grace. A true power ballad from a-ha that was deservingly successful as a single in its own right.“ Das geht doch schon eher als echte Lobpreisung durch.

Aktuell (2019): Die Trennung war kurz, längst sind a-ha wieder unterwegs. 2019 findet die „Hunting High And Low Live“-Tour statt.

Urteil: Samtig-weiche Powerballade, die mit viel stimmlicher Gewalt und filigraner Melodie daherkommt.

Jan

Bildquelle: Universal Music

a-ha – Stay On These Roads
Markiert in:                 

Ein Gedanke zu „a-ha – Stay On These Roads

  • Das war zwar „meine Zeit“, aber ich habe damals Balladen gehasst und musste mir erstmal anhören, was die ausser „Take on me“ noch gemacht haben. Vielen Dank für die Mühe des Blogschreibens!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert