Lady Gaga – Poker Face

Album:
The Fame
Höchste Platzierung: 
1
Erscheinungsjahr:
 2009
Albumcover:
Musikvideo:
DIE EXZENTRISCHE POP-REVOLUTION

Lady Gaga - Poker Face“Ich finde, dass ‘Pokerface’ und ‘Bad Romance’ von Lady Gaga wundervolle Songs sind, richtige Popjuwelen.” (Quelle: Focus) Diese Worte stammen weder von ihrem Labelchef noch einem enthusiatischen Fan, der sich auf Gagas Netzwerk “Little Monsters” über die Sängerin äußert – dieses Zitat geht zurück auf Björn Ulvaeus, seines Zeichens ehemaliges ABBA-Mitglied und ultimativer Mit-Begründer des modernen Popsongs. Braucht es noch mehr Segnungen und Weihen?

Das Phänomen Lady Gaga, welches 2008 wie ein Blitz über die Musikwelt hereinbrach, hatte zugleich auch etwas Rätselhaftes: Weder gesanglich noch musik-stilistisch hatte die US-Amerikanerin Herausragendes zu bieten. Doch die gnadenlose Selbstinszenierung als Kunstfigur, die brachiale Extrovertiertheit und die schrillen Performances ließen Kritiker schnell verstummen: Allzu erschlagen wurde man von jener neuen Popästhetik, mit der die junge Fashion-Ikone das Madonna-Zeitalter geradewegs für beendet erklärte. Und alles, was sie sagte, dachte und machte, welche Skandale sie mit Dildo-Schuhen, Pistolen-BH´s oder Fleisch-Mänteln auslöste, schien nun zu ergiebigem Futter für ihre laufende Ich-Kampagne zu werden. Bemerkenswert: Allein der Eintrag zu ihrem Welthit “Poker Face” auf der britischen Wikipedia-Seite weist nahezu dieselbe Länge auf wie der Artikel zu Barack Obama (wenn man die Anmerkungen ausklammert).

Hier steht auch wirklich alles geschrieben, was sich über den Elektrodance-Hammer ermitteln ließ: Das Magazin Rolling Stone platzierte “Poker Face” auf Platz 96 der 100 besten Songs der 2000er-Ära, die Zeile “bluffin´ with my muffin´” beziehe sich nach Aussage der Interpretin unzweideutig auf ihre Vagina, im Generellen behandelt der Song die Auseinandersetzung mit Bisexualität bzw. sexuellen Irritationen, im Song wurden Samples aus Boney M´s “Ma Baker” verarbeitet, das Musikvideo wurde in der Luxusvilla “PokerIsland” des Anbieters bwin aus Ibiza gedreht – entsprechende Werbehinweise sind im Clip unübersehbar. Vor allem jedoch bleibt die Erkenntnis: “Poker Face” gehört mit 11 Platz 1- und 23 Top 10-Wochen zum erfolgreichsten Song seit DJ Ötzis “Ein Stern”.

Ob gerechtfertigt oder nicht, sei dahingestellt – die Web 2.0- und Twitter-Ikone gehörte seit ihrem ersten Album “The Fame” zum Aufregendsten und Unberechenbarsten, was das Showbusiness zu bieten hatte. Das wussten wohl auch die ehemaligen ABBA-Mitglieder, die frühen “Revolutionäre” des Pop, wie beispielsweise Björn, angemessen zu würdigen…

Aktuell (2019): 2018 gelang ihr wahrhaftig ein grandioses Comeback: ein Oscar für ihre Rolle in “A Star Is Born” und zugleich mit dem gleichnamigen Soundtrack sowie der ersten Auskopplung “Shallow” als sehr gute Sängerin gefestigt.

Urteil: Grandiose Uptempo-Nummer mit einem schneidigem Beat, unvergesslichem Refrain und jeder Menge sexuellen Konnotationen. Genial ist vielleicht anders, aber so kann und darf Pop.

Jan

Bildquelle: Universal Music

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