ANBETUNG ALS ONE HIT WONDER
Es gibt Schlagersongs, die schon heute fast aus dem kulturellen Gedächtnis dieser Schlagernation verschwunden sind. Und es gibt Schlagersänger, die nie wirklich ein Teil dessen waren. Zu diesen gehört wohl Roland Wächtler.
Wächtler wurde 1941 in Stuttgart geboren, ging hier zur Schule. Nach seinem Abitur zog er nach Paris, um Kunstgeschichte zu studieren. Im Künstlerviertel Saint Germain betätigte er sich als Maler, bald darauf auch als Sänger mit deutschen und französischen Liedern. Nach einigen Reisen kehrte er schließlich nach Deutschland zurück, um in Diskotheken und auf Galaabenden aufzutreten. Zudem nahm Wächtler Schlagersongs auf – unter anderem auch „Monja“.
Die Ballade stammt im Original von der pfälzischen Band Cry’n Strings, die sich 1962 gegründet hatte. „Monja“ präsentierten sie bereits seit den Anfangstagen auf etwaigen Bühnen, jedoch nahmen sie den Song erst vier Jahre später im Studio auf. Die ersten tausend Stück mussten sie selbst finanzieren, mit einem Erfolg rechneten sie nicht. Doch es sollte anders kommen: Als sich „Monja“ schließlich unerwarteterweise gut verkaufte, produzierte Wächtler kurzerhand seine eigene Version, die es prompt in der deutschen Hitparade bis auf Platz 4 schaffte. Die Cry’n Strings landeten nur auf Platz 11. Und verschwanden in der Versenkung.
Genauso wie Wächtler, dem kein weiterer Hit mehr gelingen wollte: Die Nachfolgesingle „Cindy Jane“ wurde ein Flop. Als „Monja“ Anfang der 2000er in einer eher grausigen Neufassung (Partygeier versus Roland W. – „Monja 3000 – Macht die Feuerzeuge an“) herauskam, nutzte Wächtler sein Mini-Comeback, um ein neues Album herauszubringen. Doch seine Zeit war schon längst vorüber.
2009 verstarb Wächtler an den Spätfolgen einer Krebserkrankung. „Monja“ blieb jedoch in mehrfacher Hinsicht als sein Vermächtnis: zum einen als Titel seines größten Hits, zum anderen als Name seiner Tochter, Monja Wächtler. Es gibt schließlich Wichtigeres, als in die Annalen der Schlagergeschichte eingegangen zu sein…
Urteil: Ein wenig bieder und farblos ist „Monja“ leider in jeder Variante, die Ende der 60er Jahre veröffentlicht wurde.
