Datum 1999
höchste Platzierung 2
Album Asterix und Obelix gegen Caesar – Soundtrack
Website http://www.xaviernaidoo.de

ANMUTIG MENSCHELND

Seine Lieder umspannen eine ganze Reihe von Genres, er bewegt sich lässig zwischen balladesken Chansons und Poprock-Produktionen; seine Arrangements sind stets von gewaltiger Dramatik, seine Konzerte von kurzweiliger Theatralik. Mehr als 135 Songs für 51 verschiedene Interpreten säumen seine lange Karriere. Nein, die Rede ist nicht von einem Mannheimer R&B-Pastor der Rödelheim Hartreim-Schule, sondern vom Pariser Komponisten Jean-Jacques Goldman. Als dieser mit „Démodé“ 1981 sein erstes Soloalbum herausbrachte, war Xavier Naidoo gerade einmal 10 Jahre alt und ging in Wallstadt zur Schule.

Etwa 18 Jahre später kreuzten sich die Wege der beiden Künstler – nicht persönlich, aber musikalisch. Goldman schrieb den Soundtrack zum Film „Asterix und Obelix gegen Caesar“, der ersten Realverfilmung des Goscinny-Comics mit Gérard Depardieux. Der Film blieb weit hinter den Erwartungen zurück, die Musik jedoch nicht. Vor allem der Titelsong, den Goldman persönlich besang, ließ Emotionen aufkommen: „Elle ne me voit pas“. Unzumutbar offenbar für die jeweiligen Länder, die zu den eigenen Synchronsprechern offenbar auch eine Übersetzung des Liedes in die Heimatsprache verlangten. Und so hieß es in Italien „Lei Non Vede Me“, gesungen von Riccardo Cocciante, in den Niederlanden „Ze Ziet Me Niet Staan“ (Marcel Kapteijn) und in Deutschland „Sie sieht mich nicht“. Der Autor ist kein Geringerer als Moses Pelham, das fleischgewordene Hip Hop-Start Up der 90er Jahre und enger Freund des Naidoo-Clans.

Der Titel gehört zu den etwas schwächeren Würfen des Popsängers: Nicht nur gefühlt wurde ein eh schon ziemlich sperriger Text in das enge Korsett einer folkmäßigen Ballade mit keltischen Nuancierungen gepresst, was weder dem sicher begnadeten Interpreten gut zu Gesicht steht noch Goldman wirklich gerecht wird. „Er ist so sehr auch das, was er nicht zu sein vermag. Doch die Frauen wissen nicht von diesen Dingen, wenn er spricht.“ Oder noch exemplarischer: „Man kann so vieles ändern, wenn man zu kämpfen bereit ist. Aber nicht diese Ungerechtigkeit.“ Das sind sicherlich anmutig menschelnde Lyrics aus der Poesierunde eines Deutschleistungskurses, aber auch gerade wegen ihrer ungenauen Bedeutung (oder ist hier etwa im Allgemeinen die unerfüllte Liebe von Obelix gemeint?) von eher magerer Substanz.

Dafür retten Melodie und die dosiert instrumentierten Hintergrundklänge das letztlich solide Werk, welches Naidoo mit Platz 2 den ersten Top 10-Hit nach den viel interessanteren Vorgängern „20.000 Meilen“, „Nicht von dieser Welt“ und „Führ mich ans Licht“ bescherte. Wem Naidoo dies letztlich zu verdanken hat? Na klar, jenem Franzosen, der Ende der 90er Jahre mit dem Soundtrack für einen Asterix- und Obelix-Film betraut wurde…

Aktuell: An Omnipräsenz in den Medien lässt es der Sänger ja bekanntlich nicht missen. 2014 stehen ein paar Live-Auftritte auf dem Programm. Sein letztes Album: „Bei meiner Seele“.

Urteil: Etwas waghalsig mit deutschem Text abgeänderte Version des Goldman-Originals. Gesanglich ordentlich, melodisch ansprechend, will das Lied – trotz der sanften Piano-Klänge – nicht so richtig das ganz große Gefühl vermitteln. 6 von 10 Punkten

Jan

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=zIBJ9Kdcy9w&w=560&h=315])

Xavier Naidoo – Sie sieht mich nicht
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