Datum 1994
höchste Platzierung in den dt. Charts 2
Album Picture This
Website http://wetwetwet.ning.com//

ROMANZE ZWISCHEN KOMÖDIE UND STREICHFETT

Lungenkrebs – für den notorisch kettenrauchenden Reg Presley war das zweifellos ein Todesurteil. Noch 2010 begann der britische Songwriter mit einer Therapie, doch es sollte nichts nützen: Am 4. Februar 2013 verstarb Presley an der tückischen Krankheit, und die Nachwelt betrauerte den Abschied eines der eifrigsten Beat- und Punkmusiker seiner Zeit. Als Sänger und musikalischer Kopf der „Troggs“ sorgte er dafür, dass der Punkrock sich immer flächendeckender im britischen Königreich verbreiten konnte. Die Hits der „Troggs“ – legendär: „Wild Thing“ oder „With A Girl Like You“ waren zugespitzte, grobkörnige Melodikbretter, schnell, direkt ohne Atempause.

Dagegen fiel die Ballade „Love Is All Around“ geradezu samtig-weichgespült aus, sie markierte zugleich auch die Hinwendung zur Psychedelic und den allmählichen Abstieg der „Troggs“ in die zukünftige Bedeutungslosigkeit. Das war 1967. 27 Jahre später sollte die schottische Band Wet Wet Wet einen neuen Meilenstein in ihrer eigenen Karriere setzen. Lange beherrschten ihre Songs die britischen Charts, Platz 1-Titel wie „With A Little Help From My Friends“ (1988) und „Goodnight Girl“ (1992) positionierten das Quintett um Marti Pellow als zuverlässige, engagiert auftretende Soulpop-Gruppe, der zuweilen etwas das Charisma zu fehlen schien – vor allem jedoch der internationale Durchbruch. Wie gut, dass Mike Newell, seines Zeichens Regisseur der Filmkomödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, Verwendung für Wet Wet Wet hatte. Ihre Aufgabe: Einen Song zum Soundtrack beizutragen.

Der folgte auch mit der gitarrenlastigen und recht füllig instrumentierten Powerballade „Love Is All Around“, geschrieben vom einstigen Troggs-Häuptling Reg Presley: „It’s written on the wind, it’s everywhere I go, so if you really love me, come on and let it show.“ Die flauschige Gesangsstimme von Sänger Newell passte perfekt ins Gesamtarrangement, und man hätte schon damals erahnen können, dass dieses Liebesliedchen später mal maßgeschneidert zu einer Streichfett-Werbung der Firma Unilever passen würde. Immerhin behandelt der „Rama“-Spot ja auch die zärtliche Kühlschrank-Romanze eines Schoko-Boys zu einem „Butter-Mädchen“. Das war jedoch nochmal knapp 20 Jahre später.

1994 jedoch schlug die erste Single-Auskopplung aus Wet Wet Wet’s siebten Album „Picture This“ in den internationalen Charts ein wie eine „Kuschelrock“-Bombe: Platin und Platz 2 in Deutschland, unglaubliche 15(!) Wochen Nummer 1 in Großbritannien sowie mit 1,8 Millionen verkauften Einheiten der zu jenem Zeitpunkt zehnterfolgreichste Song aller Zeiten und schließlich mit Platz 41 die bandeigene Höchstplatzierung in den US-Billboard-Charts. Dazu war es der womöglich penetranteste Radiohit seit langer Zeit. Die Konsequenz: Furchtbare Übersättigung. „Im Sommer 1994 haben wir wirklich alle genervt“, äußerte Marti Pellow ein paar Jahre später, um gleich darauf zu ergänzen: „Trotzdem bin ich der Auffassung, dass es ein großartiger Song ist. Seine Stärke ist die schiere Einfachheit.“ (Quelle: Wikipedia)

Reg Presley hätte seinem „Thronfolger“ ohne Einschränkung zugestimmt.

Aktuell: Na klar, dass auch Wet Wet Wet die Grabpflege ihrer Laufbahn gleich selbst übernehmen und 2014 mit einer „Greatest Hits“-Tour durch die schottischen Städte zogen.

Urteil: Mit melodischem Schwulst und einer gehörigen Portion Rockarithmetik lassen sich Hugh-Grant-Komödien und Butterwerbespots gut „versounden“. Insgesamt aber auch von etwas ermüdender Gleichgültigkeit. 6 von 10 Punkten

Jan

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=fP0JpmquU0A&w=560&h=315]

Wet Wet Wet – Love Is All Around

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