Datum 1984
höchste Platzierung 7
Album Into The Gap
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HERKÖMMLICHES NEW WAVE-PRODUKT

New Wave? New Romantic? Mit solch schwammigen Begrifflichkeiten, die vor allem in den 80er Jahren eine popkulturelle Entwicklung aufzeigten, welche sich weniger an den massenkompatiblen Synthesizerproduktionen als vielmehr dem mondän-skurrilen Look ihrer Interpreten festmachen ließ, kommt man bei der Betrachtung von Bands wie den Thompson Twins auch nicht so recht weiter. Aber immerhin: Ihre Punk-Herkunft, die gewissermaßen den Ursprung der New Wave-Bewegung bildete, konnten Tom Bailey, Pete Dodd, John Roog und Jon Podgorski nicht verleugnen. Als Teil der britischen Hausbesetzerszene trugen sie quasi dazu bei, die linken Strömungen in den Kommerzpop zu tragen. Als ihnen 1982 mit dem Album „In The Name Of Love“ ein solider Anfangserfolg gelang, wurde aus dem Quartett ein Trio und aus der New Rave-Band normale Vertreter des Ethnopop-Genres mit lustigen Frisuren.

Wie normal die Band schließlich war, offenbarte sich unter anderem bei Songs wie „Hold Me Now“: Hier mischen sich die stereotypischen 80er-Jahre-Sounds von Kollegen wie Tears For Fears und Spandau Ballett zu einer trockenen, gemächlich schleichenden Synthiballade. Die eher spannungsarme Grundkomposition gewinnt vor allem an Charme dank des punktuellen „Auftritts“ eines Xylophons, des lieblichen Pianos und „hypnotischen (…) Grooves“ (siehe englischer Wikipedia-Eintrag) im Allgemeinen. Der Text beschreibt – ebenfalls sehr unexperimentell – eine zerrüttete Beziehung, die schließlich doch nochmal zum Leben wiedererweckt werden soll. Und betrachtet man dazu das Musikvideo, das eigentlich auch nicht viel mehr als gehobene Langeweile ausstrahlt – einzig mit etwas Leben durch wirre Splitscreeneinsätze und zuweilen kurios anmutenden Bildein- und ausblendungen gefüllt -, dann kann man schon mal zur Feststellung gelangen: Wirklich spannend war die New Wave-Bewegung der 80er eigentlich nicht. Erst recht nicht wenn man bedenkt, dass das Album „Into The Gap“ 1983 ziemlich „unpunkig“ auf den Bahamas aufgenommen wurde, und nicht in irgendeinem Londoner Problemkiez wie Brixton oder Hackney.

Nach zehn Jahren im Musikbusiness, 5 Top 10-Hits in Großbritannien, 3 in den USA und 1 in Deutschland musste wohl auch Sängerin und Thompson Twins-Songwriterin Alannah Currie einsehen, dass sich die 80er-Ästhetik nicht würdevoll in die 90er oder gar ins neue Jahrtausend übertragen ließ und fand bald eine neue Aufgabe, die sie glücklich machte: Sie entwirft kunstvolle Polstermöbel.

Aktuell: 1992 war das Ende für die Thompson Twins gekommen, an ein Comeback hat bis jetzt noch kein Bandmitglied ernsthaft nachgedacht.

Urteil: Entspannte New Wave-Ballade, die vielen anderen Genrebeiträgen eine gewisse Stimmung und Unaufgeregtheit voraushat, ohne dabei tatsächlich innovativ zu sein.

Jan

Thompson Twins – Hold Me Now
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