Datum 1978
höchste Platzierung in den dt. Charts 5
Album If You Knew Suzi
Website http://www.suziquatro.com

SITCOM-POP DER ROCKERLADY

Comeback? Was für ein Comeback? Wenn es tatsächlich eine Rocklady in den Siebziger Jahren gab, die gefühlt nicht wirklich einmal längere Zeit weg von der Bildfläche war, dann hieß sie Suzi Quatro. Dennoch – eine gewisse Durststrecke hatte sie zuletzt schon zu überwinden: Nach ihrem Album-Flop „Aggro-Phobia“ von 1976 ließ sie sich immerhin fast drei Jahre Zeit, bevor die wilde Blondinenmähne mit neuem Material an die Öffentlichkeit ging. Inzwischen war sie knapp 29 Jahre alt, und die Songs auf „If You Knew Suzi“ offenbarten eine deutlich reifere und erwachsenere, zugleich aber auch profilärmere bzw. uncharismatischere Musikerin, die lieber europäisch ausgerichtetes Softrock-Allerlei von Mike Chapman zum Besten gab als sich weiter an den früheren krachledernden Micky-Most-Produktionen zu orientieren. Statt Leder trug sie zudem nun vornehmlich Jeans. Offenbar rechnete sie nun 1978 einfach nicht mehr mit einem echten Durchbruch in den USA, das der gebürtigen Detroiterin bis dato schlichtweg die Gefolgschaft versagt hatte.

Aber unverhofft kommt ja gelegentlich oft, und so kletterte ihre Comebackplatte mit Hits wie „Stumbin‘  In“ (feat. Chris Norman) und „The Race Is On“ schwungvoll auf Platz 37 der Billboard-Charts – die höchste Platzierung für ein Suzi-Quatro-Album seit Beginn ihrer Rockerinnen-Laufbahn. Vor allem Titel und Auskopplung Nummer 1 – „If You Can’t Give Me Love“ – wurde ein beliebter „Gassenhauer“. Der Song deutet etwas gemütlichere Countryklänge an, ist aber zugleich nichts anderes als ein Smokie-Abklatsch mit der Tendenz zu radiotauglichem Kaffeefahrt-Entertainment, für den es keine songwriting-erfahrene Rockdomina aus den früheren Siebziger Jahren gebraucht hätte.

„If you can’t give me love honey, that ain’t enough, let me go look for somebody else, if you can’t give me feelings with old fashioned meanings, you’re just in love with yourself.“ So heißt es hier ziemlich unforsch, dazu vermisst man die brüllenden Gitarrenriffs, mit denen Quatro als Anfang 20jährige noch wie bei „Can The Can“ überaus leidenschaftlich gespielt hatte. Aber möglicherweise konnte sie auch ihrem etwas allzu breit getretenen Image der heißesten Rocklady aller Zeiten auch nichts mehr Neues abgewinnen, nachdem sie noch 1977 ihr Engagement bei der Sitcom „Happy Days“ begonnen hatte. Für 15 Folgen spielte Quatro die Rolle der Leather Tuscadero, die jüngere Schwester von Fonzies Freundin, und die Folgen hießen dann auch auf Deutsch so originell wie „Fonzie und die Rockröhre“ und „Lederjacke gegen Smoking“.

Ein düsteres Western-Spektakel oder eine spannende Mystery-Serie hätte ihrem musikalischemFormat womöglich etwas besser getan…

Aktuell: Unermüdlich tourt die inzwischen Mitte 60-Jährige durch die Lande: Hier mal in Dänemark, dort in Tschechien und Ende 2014 auch mal in Südafrika. Da nimmt jemand ihren Beruf noch immer sehr ernst.

Urteil: Qualitativ auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit: Der Song bedient sich der üblichen Erfolgsformeln für späten 70er-Jahre Poprock, und kann trotz souveräner Darbietung einer immer noch kraftvoll performenden Sängerin nur bedingt überzeugen. 5 von 10 Punkten

Jan

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=7XI9WN1yW_o&w=420&h=315]

Suzi Quatro – If You Can’t Give Me Love

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