Datum 2007
höchste Platzierung in den dt. Charts 7
Album Männersachen (New Version)
Website http://www.rogercicero.de/

FRAUEN REGIER’N DIE WELT, ABER CICERO LEIDER NICHT EUROPA

Zwei Monate vor dem Eurovision Song Contest 2007 stellte die ARD die Frage „Wer singt für Deutschland?“. In der gleichnamigen Vorentscheid-Show traten drei Kandidaten an – allesamt keine Unbekannten: Ein recht gelassen wirkender Heinz Rudolf Kunze sang „Die Welt ist Pop“. Die gerade in der 5. Staffel „Popstars“ zusammengebaute Girlgroup Monrose ging mit „Even Heaven Cries“ als Favorit ins Rennen. Überraschung und Schock standen den drei Mädchen ins Gesicht geschrieben, als verkündet wurde, dass jemand anders für Deutschland im finnischen Helsinki antreten wird: Völlig zu Recht wählten zirka 70 Prozent der Fernsehzuschauer an diesem Abend Roger Cicero nach einem überzeugenden Auftritt mit „Frauen regier’n die Welt“ zum Sieger.

Ein sympathischer Musik-Vollprofi mit Big-Band-Sound und humorvollem Text – das sollte doch auch beim ESC-Finale positiv auffallen. Leider war es das gleiche Drama wie im Vorjahr bei Texas Lightning („No No Never“): Trotz eines souveränen Auftritts sprang der Funke auf den Rest Europas nicht über. Roger Cicero belegte nur Platz 19 von 24 Finalkandidaten und war entsprechend enttäuscht: „Dass es doch so extrem ausgeht, damit hätte ich persönlich jetzt doch nicht ganz gerechnet“ (www.eurovision.de). Noch weniger Humor als die Grand-Prix-Zuschauer europaweit bewiesen hierzulande die Redakteurinnen des Emanzipations-Fachblatts „Emma“, die Roger zum „Pascha des Monats“ kürten, aufgrund von Textzeilen wie:

“Wie sie geh’n und steh’n. Wie sie dich anseh’n. Und schon öffnen sich Tasche und Herz. Und dann kaufst du ’n Ring und ’n Nerz“

Auf der Habenseite steht: „Frauen regier’n die Welt“ ist der größte Singlehit einer Ausnahmeerscheinung in der deutschen Poplandschaft. Roger hat viel vom Talent seines Vaters, dem Jazzpianisten Eugen Cicero, geerbt. Schon mit 11 Jahren absolviert er größere Auftritte, später wird er ausgebildeter Jazzmusiker.

2006, Roger ist bereits Mitte 30, schafft er den Durchbruch in den Popmainstream mit einer ungewöhnlichen Kombination: Zum Swingsound der 1940er und 1950er Jahre singt er vor seiner elfköpfigen Big Band witzig formulierte deutsche Texte, die die Beziehungen zwischen Männern und Frauen aufs Korn nehmen. Er geht als männliche Version von Annett Louisan durch – kein Wunder, schließlich schreibt und produziert für ihn mit Frank Ramond und Matthias Haß dasselbe Team.

Das Debütalbum „Männersachen“ wird zum Millionenseller. Dass der ungewöhnliche Sound nach einer langen Durststrecke doch zum kommerziellen Erfolg geworden ist, liegt neben Rogers unbestrittenem großen Können, sicher auch am geschickten Marketing: Der Jazzer kommt beim Plattenlabel „Starwatch“ unter, hinter dem sich die ProSiebenSat.1 Media AG verbirgt. Somit ist entsprechende Fernsehpräsenz garantiert (vgl. Tim Renner / Sarah Wächter: „Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten“, 2013, Berlin Verlag). Ciceros stolze Bilanz bis 2014: Fünf Alben, fünfmal in den Top 4 der Deutschen Albumcharts.

Aktuell: Verarbeitet Roger Cicero die Trennung von seiner langjährigen Freundin und Mutter seines Sohnes mit dem Album „Was immer auch kommt“. Außerdem nahm er neben Xavier Naidoo, Sasha, Sarah Connor u.a. bei der VOX-Musikshow „Sing meinen Song“ teil.

Urteil: Okay, die Mischung Schlagertext plus Big-Band-Sound muss man mögen. Auch der Humor im Text ist nicht jedermanns – und für die Redakteurinnen der „Emma“ sei an dieser Stelle ausdrücklich hinzugefügt: jederfraus – Sache. Hören wir die Nummer im ESC-Kontext, ist sie um Klassen besser als das, was in den beiden darauffolgenden Jahren von Deutschland angeboten wurde. Roger bekam die meisten Punkte aus Österreich und der Schweiz, nämlich je 7. Da bin ich dabei: 7 von 10 Punkten (ja, ich weiß, beim ESC gibt’s 12…)

Björn Strößner

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=gE1k8KJ0_VI&w=560&h=315]

Roger Cicero – Frauen regier’n die Welt

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