Datum 1963
höchste Platzierung 4
Album
Website

GESÄUSELTE DREIGROSCHENPOESIE

Bronzener Bravo-Otto in der Kategorie „Sänger“, Bronzener Löwe von Radio Luxemburg für die Single „Vom Stadtpark die Laternen“ – 1963 war für Rex Gildo zweifellos ein sehr erfolgreiches Jahr. Und auch mit seiner Filmlaufbahn durfte der Straubinger zufrieden sein, immerhin konnten die Zuschauer ganze vier Mal ihn in verschiedenen Rollen sehen: Als himself in „Unsere tollen Nichten“, als Billie Bill in „Sing, aber spiel nicht mit mir“, als Karl Fischer in „Apartment-Zauber“ und nicht zuletzt als Protagonist Rolf in dem „denkbar dürftigem Lustspiel“ („Lexikon des Internationalen Films“) „Und wenn der ganze Schnee verbrennt“. Man muss den Film nicht gesehen haben, um mit der Vermutung richtig zu liegen, dass diese Klamottenproduktion in der deutschen Kinogeschichte keine relevanten Spuren hinterlassen hat. Wichtiger als Drehbuch, Dialoge und Kulisse war eh die kommerzielle Ausschlachtung der 60er Jahre-Musikgrößen, die ihre Fans scharenweise in die Kinos locken sollten.

Rex Gildo machte bei allem mit, Musik, Film, Auftritte, als Charmeur und Frauenschwarm, der weibliche Herzen sämtlicher Generationen höherschlagen ließ. Seine eigentliche Spezialität waren aber permanente Chartserfolge, und auch sein sanft schunkelndes Schwänkchen über zwei Myosotis aus der Familie der Boraginaceae brachte er mit viel Inbrunst und Leidenschaft zum Besten. Den Text schrieb kein Geringerer als Schlager-Urgestein Kurt Feltz, mit der gewohnten Affinität zu Schmalz und Endreimzwang in jeder einzelnen Verspassage: „Im Park der Verliebten beim Mondenschein, sah ich so tief Dir ins Herz hinein. Was Du mir versprachst, war ehrlich und wahr. Das sagte Dein Augenpaar.“

Dazu sitzt auch der Refrain wie in Stein gemeißelt: „Zwei blaue Vergißmeinicht, soll´n Deine Augen mir sein. Zwei blaue Vergißmeinicht, die bitten mich, bleibe mein.“ Gesäuselte Dreigroschenpoesie, die hier die innige Liebe zum weiblichen Gegenüber in langgestreckten Notenbögen erzählt – es gelingt perfekt. Dieses Erfolgsrezept verhalf dem Song zu einem längeren Sommeraufenthalt in den deutschen Hitparaden zwischen Juni und September 1963 und der Höchstplatzierung 4.

Das Vergissmeinnicht gilt übrigens als Symbol für Freundschaft und Liebe, aber auch der Treue, wofür vor allem die Farbe Blau steht. Welche Blumen Gildos Fans ihrer Ikone regelmäßig auf sein Grab auf dem Münchener Ostfriedhof legen, ist nicht erwiesen – passen würden Vergissmeinnicht jedoch auf alle Fälle…

Aktuell: Rex Gildo verstarb am 26. Oktober 1999 in München.

Urteil: Romantisch dahinschmelzende Schlagerballade, die auf durchaus herzlich-rührende Weise den Liebhaber träumerischen Liedgutes zutiefst zu bewegen vermag.

Jan

 

Rex Gildo – Zwei blaue Vergißmeinnicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.