Datum 1985
höchste Platzierung 2
Album Princess
Website http://www.hrsprincess.com/

PRINZESSIN AUS DER ZWEITEN REIHE

In den Charts herrschen schon länger „Queen“ und „Prince“. Mitte der 80er kommt „King“ („Love and Pride“) dazu. Was der Musik-Monarchie noch fehlt, ist eine Prinzessin. Also empfiehlt der Manager Don Heslop seiner Schwester Desiree den Künstlernamen „Princess“.

Sie hält das zunächst für eine Schnapsidee und möchte lieber unter ihrem eigenen Namen Karriere im Musikbusiness machen. Diese dümpelt allerdings ziemlich unspektakulär vor sich hin. Seit Jahren schon singt sie im Background bei One Hit Wondern und Gruppen, die ihre beste Zeit schon länger hinter sich haben, wie zum Beispiel Mai Tai oder Osibisa. Den Wendepunkt bringt ein Engagement bei The Three Degrees. Die Single „The Heaven I Need“ wird zwar kein Hit, aber Desiree Heslop lernt dabei das Produzententeam Stock / Aitken / Waterman kennen.

Die drei stehen noch am Beginn ihrer legendären Karriere als Hitfabrik, haben gerade den Welterfolg „You Spin Me Round (Like A Record)“ für Dead Or Alive gebastelt. Bevor sie mit ihrem Bubblegum-Pop-Sound und Künstlern wie Kylie Minogue und Rick Astley die Hitlisten der späten 80er verkleben, experimentieren die Engländer mit amerikanischem Black-Music-Sound. Den Song „Say I’m Your Number One“ wollen sie eigentlich Bucks Fizz oder Dee C. Lee andrehen. Das Demo dafür singt Desiree Heslop ein – und haut mit ihrer Stimme Stock/Aitken/Waterman so von den Socken, dass sie das Lied selbst zum Hit machen darf.

Mittlerweile akzeptiert sie auch das Pseudonym Princess und schon bald regiert sie weltweit in den Charts mit. „Say I’m Your Number One“ wird allerdings nirgendwo ein Nummer-1-Hit. In Deutschland landet Princess nur knapp neben dem besungenen Spitzenplatz auf der 2 – die Hofnarren von Modern Talking stehen mit „Cheri Cheri Lady“ der neuen Pop-Prinzessin im Weg. Optisch liegt Princess genau auf der Höhe der Zeit: Auf Fotos und im Videoclip (siehe unten) trägt sie all das am Leib, was man mittlerweile als typische Modesünden der 80er empfindet.

Innerhalb eines Jahres gelingen ihr noch drei ordentliche Chartplatzierungen in Deutschland, aber wer erinnert sich heute noch an die Songs „After The Love Has Gone“, „I’ll Keep On Loving You“ und „Tell Me Tomorrow“? Alle weiteren Veröffentlichungen hinken dem ersten Hit immer weiter hinterher. In den 90ern flüchtet die Engländerin nach heftigen Schicksalsschlägen, u. a. der Ermordung ihres Bruders, in die USA. 2003 kehrt sie zurück, um vom 80er-Jahre-Revival zu profitieren.

Aktuell: Princess will es noch mal wissen: 2014 erschien ihr drittes Album „The Emergence“, der Auftakt zu einer Trilogie. Es folgen „The Passion“ und „The One“.

Urteil: „Say I’m Your Number One“ klingt im Vergleich zu anderen Stock / Aitken / Waterman-Produktionen zeitlos und braucht den Vergleich mit amerikanischen RnB-Stücken aus dieser Zeit nicht zu scheuen. Ein ordentliches Stück Kommerzpop. 6 von 10 Punkten.

Björn Strößner

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=jlLKNxDbsi8&w=420&h=315]

Princess – Say I’m Your Number One

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