Datum 1998
höchste Platzierung 1
Album Ghetto Supastar
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VOM COUNTRYDUETT ZUM HIP HOP-TRIO

Knapp ein Jahr nachdem Will Smith mit „Men in Black“ an der Spitze der deutschen Charts gestanden hatte, schaffte es das gleiche Rezept wieder ganz nach oben – und wieder nur für eine Woche: Für einen Filmsoundtrack wird die Melodie eines Hits aus den 80ern hiphopig aufgepeppt für die 90er.

Der Refrain von „Ghetto Supastar“ basiert auf „Islands In The Stream“.

1983 war das Duett der beiden Country-Superstars Kenny Rogers und Dolly Parton ein Welthit. Er stammt aus der Feder der Bee Gees.

Dem Trio, das bei „Ghetto Supastar“ singt und rappt, steht Pras Michel voran (eigentlich Praskazrel Michel, später veröffentlicht er nur noch als Pras). Zusammen mit Schulfreundin Lauryn Hill und seinem Cousin Wyclef Jean ist er Mitte der 90er als The Fugees eine ganz große Nummer. Nach dem Erfolgsalbum „The Score“ steht für Lauryn Familienplanung an, also ruht die Band (allerdings bis heute…), und jeder der drei macht eine Solokarriere. Wyclef greift Pras weiterhin unter die Arme. So schreibt und produziert er auch bei „Ghetto Supastar“ mit.

Pras wird beim Rappen unterstützt von ODB alias Ol’ Dirty Bastard (bürgerlich Russell Jones), der mit dem Wu-Tang Clan zur HipHop-Legende geworden ist. Leider rutscht er trotz des großen Erfolgs als Musiker immer weiter auf die schiefe Bahn. Nach mehreren Monaten im Gefängnis stirbt ODB 2004, zwei Tage vor seinem 36. Geburtstag, an einer Überdosis Drogen.
Die Einlagen der beiden Rapper werden eingerahmt von einer süßen, lolitahaften Frauenstimme. Die 18jährige Mya entwickelt sich zumindest in den USA zu einem R’n’B-Star. Bei uns hat sie eine Handvoll Hits und steht 2001 sogar noch mal auf Platz 1, wieder mit einer Kollaboration zu einem Kinofilm: zusammen mit Pink, Christina Aguilera, Missy Elliott und Lil’ Kim covert sie „Lady Marmalade“ für „Moulin Rouge“. Nach drei erfolgreichen Alben lassen seit 2003 weitere Charterfolge auf sich warten. Mya hat vorgesorgt: Ihr zweites Standbein ist die Schauspielerei, außerdem betreibt sie ein eigenes Plattenlabel.

„Ghetto Supastar“ entsteht für den Soundtrack zum Film „Bulworth“, einer Politsatire mit Warren Beatty und Halle Berry. Die beiden tauchen auch im Videoclip auf. Obwohl der Streifen gute Kritiken bekommt und für mehrere Preise nominiert wird, lockt er nicht allzu viele Zuschauer in die Kinos. In Deutschland verpufft der Cross-Promotion-Effekt vom Nummer-Eins-Hit zum Film komplett: „Bulworth“ läuft hierzulande erst ein Jahr nach dem Charteinstieg von „Ghetto Supastar“ an.

Aktuell: Um Pras ist es sehr still geworden. Mya hat zum Valentinstag 2014 die EP „With Love“ veröffentlicht und bastelt fleißig an einem neuen Album. Auch als Schauspielerin ist sie weiter gut beschäftigt. Ihr neuester Film „Bermuda Tentacles“ stammt aus der Trashfabrik „The Asylum“ und könnte bald bei Oliver Kalkofe in der Reihe „SchleFaZ – Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ auftauchen.

Urteil: Das Dilemma mit Pop-Rap: Für Hiphop-Fans ist die Nummer wahrscheinlich zu seicht, Pophörer sind von Pras und ODB schnell genervt. Die Nummer ist clever zusammengesampelt und v.a. Myas Gesang bohrt sich ins Hirn. 7 von 10 Punkten

Björn Strößner

Pras Michel – Ghetto Supastar
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