Datum 1958
höchste Platzierung in den dt. Charts 2
Album
Website http://www.peterkraus.de/

IMPERTINENTES FROHSINNS-GETÄNZEL

Da sind wir wieder, in der fulminanten Welt des 50er Jahre Lustspiels, der leichten cineastischen Verköstigung für Groß und Klein. Diesmal im Programm: Ein Film aus den Händen eines der größten deutschen Show-Entertainer, Hans-Joachim Kulenkampff. „Immer die Radfahrer“ ist so etwas wie die Frühform des deutschen Road Movies, ganz ökologisch bewusst mit Drahteseln, versteht sich. In den Hauptrollen: Heinz Erhardt als Fritz Eilers, erwähnter Kulenkampff als Ulrich Salandt sowie Wolf Albach-Retty als Johannes Büttner. Sohn des Fritz Eilers ist der Robby Eilers, und der macht sich nicht viel aus solchen Tretmühlen, der legt viel größeren Wert darauf, seinen nietennagelneuen Porsche 1600 vorzuführen. Allerdings ist der teure Wagen noch nicht abbezahlt und Papa macht sich einen Lenz mit seinen Jungs im schönen Österreich. Also macht sich Robby mit seinem Gefährt sowie seiner Freundin Katinka auf die Suche nach ihm. Und so weiter und so fort.

Wer eher daran interessiert, was der Robby eigentlich so stimmlich drauf hat, dem sei der Schlussteil des Films zu empfehlen – wenn Robby alias Peter Kraus zu trällern beginnt. Dem Top 10-Hit des Augusts 1958 geht folgender Dialog voraus: Robbie: „Sag mal, wie war´s denn bei den Weihnachtsmännern?“ Katinka: „Die haben mich ganz schön allein gelassen. Weißt du, wenn man 17 ist … die passen doch nicht zu uns.“ Robby: „Ich sag dies ja immer.“ Kuss – und Schnitt und dann geht es ab ins Grüne. Auf einem Parkweg tänzelt und pfeift Kraus seine kokette Schlagerballade, die unter anderem besagt: „Mit 17 kann man so romantisch sein, und schwärmen nachts im Mondenschein.“
Das Jahr 1958 war überhaupt vielleicht das erfolgreichste überhaupt für den stets feixend-grinsenden Münchener. Mit gerade einmal 19 Jahren kassierte er dank Titeln wie „Hula Baby“ (Platz 1), „O Baby mach dich schön“ (Platz 5), „Wenn Teenager träumen“ (Platz 7) und eben „Mit siebzehn“ (1958) zuhauf Goldene Schallplatten, und dazu wurde er zum gerngesehenen Dauerbrenner auf deutschen Kinoleinwänden: „Wenn die Conny mit dem Peter“, „Der Pauker“ und „Immer die Radfahrer“ – eine solch beeindruckende Präsenz in der Öffentlichkeit konnten nur noch Freddy Quinn, Peter Alexander oder in jüngerer Zeit Dieter Bohlen und Mario Barth an den Tag legen.

„Mit siebzehn“ war bewährtes Kraus-Kaliber, penetrant fröhlich, penetrant marginal, aber auch wieder mal mit einer speziellen Verve, die eben nur Peter Kraus zu eigen ist. Hier wird begeistert der Jugend gefrönt, im idyllischen Rund der österreichischen Alpenregion. Was kann zur vollkommenen Glückseligkeit da noch fehlen? Richtig, der eigentliche Hauptdarsteller in diesem Ösi-Klamauk: der sehr elegante silbern glänzende und beeindruckend schnittige Porsche 1600…

Aktuell: Mit dem Album „Zeitensprung“ und einer sehr legeren Single-Auskopplung („Lila Wolken“) machte Kraus auf sich aufmerksam. Er ist inzwischen 77 Jahre alt.

Urteil: Impertinenter Frohsinn geht oft zu Lasten des eigenen Nervenkostüms. Einmal geht der Song, aber dann ist auch gut. Es nerven, wie so bei vielen anderen Songs der Menschheitsgeschichte, die gepfiffenen Parts und das Hintergrund-Lalala.

Jan

Peter Kraus – Mit siebzehn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.