Datum 1964
höchste Platzierung in den dt. Charts 7
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SCHWEIZER COWBOYFANTASIEN IN ENDLOSSCHLEIFE

Am 1. Januar 1964 wurde Ludwig von Moos neuer Bundespräsident der Schweiz. Am 21. Februar 1964 verfügte der Schweizer Bundesrat eine Limitierung ausländischer Arbeitnehmer, um die Zahl von Ausländern in den Betrieben zu senken. Am 30. April 1964 wurde die Schweizer Landesausstellung Expo 64 in Lausanne feierlich eröffnet. Am 1. Mai 1964 belegte die Schweiz zusammen mit Deutschland den zweiten Platz beim CHIO-Reitturnier in Rom. Am 26. Juni 1964 führte die Schweiz die Postleitzahl ein. Am 7. Oktober 1964 gab Generalstabschef Jakob Annahson seinen Rücktritt bekannt. Da soll nochmal jemand sagen, im Land der lilafarbenen Kühe, idyllischen Berge und Steuerflüchtlinge gäbe es keine ereignisreichen Chroniken – und um der Patronensalve an Geschehnissen in besagtem Jahr 1964 die Krone aufzusetzen: Am 12.9.1964 bestieg der Züricher Peter Hinnen mit „Die Rose von Mexico“ die Top 10 der deutschen Charts. Unzählig viele Jahrzehnte vor den Fastfood-Songs von D.J. Bobo hatte sich tatsächlich ein echter Schweizer in den hiesigen Hitparaden breitgemacht.

Dessen Spezialität: Das Lebensgefühl der Eidgenossen möglichst authentisch wiederzugeben. Und so gab es keinen züchtigen Schlager des 23jährigen, bei dem nicht voller Hingabe und absolut treffsicher Hinnens Jodeltalent zum Einsatz kam. „Auf meiner Ranch bin ich König“, „Siebentausend Rinder“ oder „Uga, uga, Muschka“ – kein Liedchen mit dem auf wirklich jedem Cover beseelt dreinlächelnden Sänger kam ohne längere Jodeleinsätze aus. So passte auch „Die Rose von Mexico“, einem flockigen Countryschlagergedöns, perfekt in das sehr einseitige Oeuvre des Schweizer Interpreten. Sein Wildwest-Cowboy-Image, das die ganze Palette von Rinderzucht-Plattitüden bishin zu Einsamer-Marlboro-Man-Mythos vereinnahmte, brachte Hinnen zuweilen sogar bis in die USA und Japan, wo man den Schweizer wohl als eine putzig-parodistische Verkörperung des klischeekonsistenten Revolverhelden verstanden hatte. Dort und hier ertrug man Texte wie „Das war die Rose von Mexico, ja, küssen, das konnt´ ich sie, vergiss die Rose von Mexico, die Schönste in der Prärie“ mit stoischer Gelassenheit. In den deutschen Charts bedeutete dies Platz 7.

Wer sich nicht bereits beim Hören seiner Titel in die Welt der Lucky Lukes und Billy the Kids hineinträumt, wurde spätestens bei seinen Auftritten ohne Umschweife daran erinnert, während dieser Hinnen stets Cowboyhut und eine Westerngitarre trug. Ein nach einer Weile etwas abgedroschenes Konzept – da kann „Die Rose von Mexico“ noch so vital und frohsinnstiftend daherkommen.

Aktuell: Jodeln solange man jodeln kann – auch mit über 70 ist sich Peter Hinnen für kein Hit-Medley in irgendeiner deutschen Schlagershow zu schade.

Urteil: Durchaus bewegungsantreibender Westernschlager – mehr jedoch auch nicht. Sehr leichte Muse für Amerika-Schwärmer.

Jan

Peter Hinnen – Die Rose von Mexiko

2 Gedanken zu „Peter Hinnen – Die Rose von Mexiko

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