Datum 1981
höchste Platzierung 5
Album
Website http://www.kurt-paola-felix.ch/

MARKERSCHÜTTERNDES SCHUNKELGEDUDEL MIT KINDERCHOR

Damals, als die Samstag-Abend-Show noch heilig war und Millionen von Fernsehzuschauern vor dem Bildschirm fesseln konnte, gehörten TV-Größen wie Rudi Carrell, Frank Elstner, Michael Schanze und Hans-Joachim Kulenkampff zu den beliebtesten Moderatoren in Deutschland. Biedere, jedoch mehrgenerationentaugliche Sendungen wie „Wetten dass..?“, „Die Rudi-Carrell-Show“ oder „Einer wird gewinnen“ waren noch echte Familien-Highlights. So wie natürlich auch „Verstehen Sie Spaß?“: Die ARD-Show schaffte in den ersten Jahren Traumquoten bis 23 Millionen Zuschauer und wurde bald zur erfolgreichsten Unterhaltungssendung Europas. Das lag wohl auch an dem absoluten Traumduo des deutschen Fernsehens: Kurt und Paola Felix. Während der frühere Lehrer und Zeitungsjournalist mit seinem koketten Schweizer Charme die beleidigsten Prominenten wieder weichklopfen konnte („Kennen Sie die Sendung ‚Verstehen Sie Spaß?'“), gab seine Frau Paola die Co-Moderatorin und Dauerstrahlemutti, deren Stärke vor allem der herzliche Talk mit dem dicklichen Lockvogel Wolfgang Herbort sowie den diversen „Streichopfern“ war. Von den Kritikern für ihre „Sidekick“-Rolle eher belächelt, hatte sie jedoch zu Beginn der Sendereihe am Samstag Abend (1983) bereits eine stattliche Karriere in der Schlagerbranche vorzuweisen.

Sie nahm seit den 60er Jahren an verschiedenen Gesangswettbewerben teil, tauchte regelmäßig in der ZDF-Hitparade auf und belegte bei zwei Teilnahmen am Grand Prix D´Eurovision für die Schweiz ordentliche Plätze: 1969 wurde sie mit „Bonjour, Bonjour“ in Madrid Fünfte, 11 Jahre später in Den Haag mit „Cinéma“ Vierte. 1982 trat sie sogar beim Deutschen Vorentscheid zum Contest in Harrogate an – verlor aber (glücklicherweise) gegen eine 17jährige Saarbrückerin mit dem Namen Nicole Hohloch, die „Ein bisschen Frieden“ in die Welt hinausschluchzte. Zu diesem Zeitpunkt war Paola bereits mit Kurt verheiratet und hatte ihren ersten und einzigen Top 10-Erfolg in Deutschland hinter sich: „Der Teufel und der junge Mann“.

Dieses leider ziemlich markerschütternde Machwerk wäre sicherlich auch ein hinreißender Titel für den Schunkelonkel Rolf Zuckowski oder die Musik-AG der Grundschule Zepernick geworden. Aber die Produzenten Michael Kunze und Roland Heck hatten Paola bereits etwa zwei Jahre zuvor mit dem recht gelungenen „Blue Bayou“ einen ordentlichen Hit beschert, und da die Zusammenarbeit schon mal so vorzüglich funktionierte, bekam Paola 1980 eine gruselige „La La La“-Nummer inklusive Kindergedudel vom Trixie-Mädchenchor aus Wanne-Eickel auf den Leib geschneidert. Eine wirklich blöde Nummer, deren einziger Reiz in jener Rätselfrage steckt, was wohl mit „Man kann es nicht hörn, man kann es nicht seh´n, es tut oft weh und es ist doch schön, es ist kein Wein, doch es geht ins Blut, und es tut, es tut so gut“ gemeint sein könnte. Aber ansonsten verursacht der nervtötende Refrain jenes geträllerten Kinderliedes schon bald Darmverstimmungen und Ohrenschmerzen.

Sei es drum, in ihrer Heimat Schweiz gilt sie als eine der erfolgreichsten Sängerinnen überhaupt, zusammen mit ihrem Mann wurde sie mehrmal zu den beliebtesten Moderatoren im deutschen Fernsehen gewählt – und „Verstehen Sie Spaß?“ wurde nie wieder so originell, spitzzüngig und zugleich familienkompatibel wie während der gemeinsamen Periode mit ihrem – vor wenigen Jahren verstorbenen – Mann Kurt Felix. Zum Teufel mit dem Teufelshit!

Aktuell: Paola hat sich nach dem Tod ihres Mannes weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Urteil: Furchtbar alberner und piefiger Schunkelschlager, der dem Gesangsrepertoire seiner Interpretin wirklich nicht gerecht wird und nicht in die Charts gehörte. 2 von 10 Punkten

Jan

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=OesH1btsHGE&w=420&h=315]

Paola – Der Teufel und der junge Mann

2 Gedanken zu „Paola – Der Teufel und der junge Mann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.