Datum 2002
höchste Platzierung 7
Album Mark ‚Oh
Website http://www.markoh-official.de/

BODENLOSE KUSCHELROCK-ZERFLEDDERUNG

Es gibt im Film „Taxi Driver“ diese berühmte Szene, in welcher der misanthropische Grenzgänger Travis, die von Robert de Niro genial verkörperte Hauptfigur, die junge Wahlkampfhelferin Betsy zum ersten Date ausführt. Nach einem kleinen Spaziergang durch die New Yorker Straßen erreichen die beiden schließlich das Kino „Lyric“, im Programm diesmal: „2 exciting adult hits“. Als Betsy schließlich feststellen muss, dass es sich hierbei um ein Sexkino handelt, das sich Travis für ihr erstes Treffen ausgesucht hat, verlässt sie entrüstet das Filmtheater sowie den verdutzten Taxifahrer. Von nun an verliert Travis jeden Bezug zur Gesellschaftsordnung und entwickelt sich zum amoklaufenden Alleintäter, der sein eigenes Rechtssystem durchzusetzen versucht.

Was hat das nun mit diesem Song hier zu tun? Stellen wir uns einfach eine vergleichbare fiktive Szene vor: Ein Mann verabredet sich mit seiner Auserwählten, führt sie in ein schickes Restaurant und begibt sich anschließend mit ihr zu seiner Wohnung. Kerzenlicht, eine gute Flasche Chandonnier und natürlich romantische Musik. Er legt die CD ein und ergreift voll zärtlicher Vorfreude ihre Hände. Die Musik startet, und sie meinte noch ihren Lieblingssong aus ihrer Jugend herauszuhören – da brechen unvermittelt die Beats ein, aus der zuckersüßen Ballade mit ihrer herzzerreißenden Liebeserklärung wird ein gnadenloser Clubstampfer für volltrunkene Love Parade-Besucher kurz vor dem Heimweg, ein fieses Stück Kuschelrock-Zerfledderung von einem DJ, der noch jedes Lied, das bereits im Original kaum erträglich war („Tränen lügen nicht“, „When The Children Cry“, „Stuck On You“), garantiert bis ins Bodenlose mit quietschenden Techno-Soundeffekten verseuchen konnte. Und während der zuvor so erwartungsfrohe Gastgeber noch stammelnd erwähnt, es handele sich aber schließlich um das gewünschte Stevie B.-Stück „Because I Love You“, jenen Song, den die Frau doch so schön in Erinnerung hatte, hat sie schon längst wütend die Tür hinter sich zugeschlagen.

Was lehren uns diese beiden Geschichten? 1. Überlege dir gut, mit welchem Film/welcher Musik du dein Date überraschst. 2. Schließe niemals von deinem eigenen Geschmack auf den deiner Mitmenschen. 3. Sexkinos sind an sich nichts Schlechtes, seelenloses Covergemetzel eines Mark ´Oh jedoch schon…

Aktuell (2017): Für 2017 sind viele neue Tracks angekündigt. Zwischendurch gibt es auch mal 90er-Revival-Auftritte, à la Nana vs. Mark ‚Oh. So geht es nun mal den Popikonen von einst.

Urteil: Balladen im Technogewand klappen selten, vor allem wirken hier die langgezogenen Textzeilen in forscher Beat-Kulisse als Gesamtprodukt derart angestrengt und unoriginell, dass man im Vergleich Markos 90er Trash-Hymnen regelrecht zu schätzen lernen könnte.

Jan

 

 

Mark ‚Oh meets Digital Rockers – Because I Love You
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