Datum 1969
höchste Platzierung 4
Album
Website http://www.lulu.co.uk/

HUPFDOHLIGE POPFLITTCHEN-NUMMER

Was man da hörte und sah, war gerade einmal 16 Jahre alt, trat mit der Selbstverständlichkeit einer langjährigen Showdiva auf die Bühne und ließ eine Stimme ertönen, bei der man nicht wusste, ob diese gerade parallel am Computer hochgepitcht wurde oder ob sie Resultat einer langwierigen Bronchitiserkrankung war. „Shout“ wurde in der Version von Marie McDonald McLaughlin Lawrie alias Lulu fast noch bekannter als das Original von den Isley Brothers, der Weg auf die großen britischen Bühnen war für die zierliche Schottin von nun an offen. In den USA gelang ihr mit der hinreißenden Ballade „To Sir With Love“ sogar ein Nummer 1-Hit. Geholfen hat hierbei sicherlich auch ihre Rolle als Cockney-Mädchen Babs in dem Film „Herausgefordert – Junge Dornen“, in dem der Song zu hören war. Produzent James Clavell äußerte sich über das junge Mädchen: „This girl has a naturalness, a straightforward quality coupled with a really exciting personality. A very important movie quality indeed.“ (Quelle: Website). Worte, die gleichermaßen für die Sängerin Lulu gelten könnten.

In Deutschland wurde man erst Anfang 1969 auf sie aufmerksam, als sie, zeitgleich zu ihrer Hochzeit mit dem „Bee Gee“ Maurice Gibb und wenige Monate vor ihrem erfolgreichen Auftritt bei dem Eurovision Song Contest mit „Boom-Bang-A-Bang“, dank „I´m A Tiger“ auch die deutschen Hitparaden aufwühlte. Dass nicht wirklich alles gelungen ist, was sich die Schottin besonders vom einstigen Produzenten-Genie Micky Most hat auf den Leib schreiben lassen, zeigen dieses kleine Girlie-Pop-Nümmerchen genauso wie der spätere Grand Prix-Beitrag: hupfdohlige Belanglosigkeit für den schnellen akustischen Verzehr. Lulu selbst gab später zu, dass „Boom Bang-A-Bang“ ein „miserables Lied“ (Quelle: music4ever.de) sei – dem steht „I´m A Tiger“ grundsätzlich in nichts nach.

„A lot of men have come my way, thinking that I’m easy prey, but you’ll never tame this child, she loves running wild.“ Und dann folgen geschlagene dreißig Mal die immergleichen Worte „I´m A Tiger“. Mit Püppchenaugen und überzogenen Gesten lässt sie sich in einem Video vor einem Tigerkäfig abfilmen, während die Großkatze im Hintergrund erst nervös hin- und herschlendert und schließlich völlig irritiert zu enträtseln versucht, warum dieser junge Mensch vor den Gittern so beherzt ein Kuscheltier in seinen Händen ansingt. Vielleicht wusste dies Lulu ja selber auch nicht – die Deutschen hievten den Song jedenfalls 1969 bis auf Platz 4 der Hitparade.

Aktuell: Die „Back On Track“-Tour, auf die man in der „News“-Sparte von Lulus Homepage stößt, ist nun schon knapp 13 Jahre her. 2010 war sie mit Anastacia und M-People unterwegs. Dazu moderiert sie seit geraumer Zeit eine eigene Sendung auf BBC Radio 2.

Urteil: Ärgerlicher Nonsens-Titel, der die sonst mit viel Talent gesegnete Sängerin zu einem billigen Popflittchen verkümmern lässt.

Jan

Lulu – I’m A Tiger
Markiert in:                             

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.