Datum 2011
höchste Platzierung 9
Album All Or Nothing
Website http://www.jaysean.com/

LEICHTFÜSSIGER USHER-VERSCHNITT

Wahnsinn! Unglaublich! Unvergleichlich! Oder auch: Wow, das ist völlig verrückt! Irgendetwas in dieser Richtung muss Jay Sean in jenem Moment gedacht haben, als er erfahren hatte, dass sein Hit „Down“ auf Platz 1 der amerikanischen Charts gelandet ist. Er selbst bezeichnete diesen Umstand in einem Interview als „surreal“ (digitalspy.co.uk), und feierte dennoch im Anschluss mit seinen Freunden ausgelassen diesen besonderen Erfolg. Jener hätte wirklich nicht außergewöhnlicher sein können: In den USA schaffte es bis dato nicht ein einziger Song von ihm in die Top 100 der Billboard-Charts. Weder „Stolen“ (2004), „Ride It“ (2008) noch „Maybe“ (2008). Doch als „Down“, die erste Auskopplung seines neuen Albums („All Or Nothing“) auf den Markt kam, bekamen die US-Amerikaner nicht mehr genug von dem Urban-Partyhit des gebürtigen Londoners indischer Abstammung.

Platz 1 in den USA, aber kurioserweise nicht in seiner Heimat Großbritannien: Zuletzt war dies Seal mit „Kiss For A Rose“ im Jahr 1995 gelungen. Vielleicht erschien Sean seinen Landsleuten auch schlichtweg zu amerikanisch, immerhin präsentierte er sich nicht nur im Hinblick auf den Gesang seiner flotten R&B-Nummer, sondern auch in seinem Musikvideo ein wenig wie der jüngere Bruder Ushers. Dass er eines Tages gewissermaßen in Konkurrenz zu jenem treten würde, war aus der Biografie Seans nicht zu erahnen. Geboren wurde er im Londoner Stadtteil Hownslow, wo viele berühmte Gesangskollegen das Licht der Welt erblickt hatten: Phil Collins, M.I.A., Kim Wilde, Jimmy Page und Ian Gillan beispielsweise. In seiner Jugend schloss Sean sich einer Rap-Gruppe an, um mit Anfang 20 die London School of Medicine and Dentistry zu besuchen. Seine Voraussetzungen für eine solide Arztkarriere standen tatsächlich nicht schlecht: Den Abschluss in Biologie bewältigte er mit der Bestnote, in den Fächern Mathematik und Chemie gehörte er zumindest zu den Besseren. Aber er entschied sich gegen eine Mediziner-Laufbahn und folgte seiner wahren Bestimmung: der Musik.

Vernünftigerweise legte er sich mit Jay Sean einen aussprechbaren Künstlernamen zu, bei Kamaljit Singh Jhooti hätten wohl die zahlreichen Lobredner und Moderatoren, die jedes Jahr aufs Neue weitere Preise im Rahmen der sogenannten UK Asian Music Awards an den jungen Mann verliehen, ganz schön hart zu kämpfen gehabt. Auch „Down“ bekam hier Preise ab: Die Auszeichnung als „Best Single“ sowie „Best Collaboration“.

Wahrscheinlich stimmte hier einfach das Gesamtpaket der Performance: Ein erstaunlich sympathischer und bodenständiger R&B-Poser, eine überzeugende Melodie, ein angenehm zurückhaltendes Arrangement und ein grundoptimistischer Text. Diese Komponenten waren wohl ausschlaggebend für die enorme Begeisterung seitens der US-amerikanischen Musik-Konsumenten. Oder dass Sean halt doch, siehe Videoclip oder Facebook-Fotos, irgendwie schon eine Vorliebe für die Darstellung seines muskelgestählten Oberkörpers hat.

Wie Usher einst auch…

Aktuell: Sein aktuellstes Album „Neon“ist heftig gefloppt, und zwar nicht nur Übersee, sondern auch im Königreich. Dennoch dürfte noch einiges zu erwarten sein.

Urteil: Leichtfüßiges wie flottes R&B-Stück, das vor allem wohltuend den Fokus auf Seans einfühlsamen Gesang legt und sich damit von vielem Vergleichbaren angenehm abhebt. 7 von 10 Punkten

Jan

Jay Sean – Down
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