Datum 1986
höchste Platzierung in den dt. Charts 7
Album Geld oder Leben!
Website http://www.eav.at/

KODDERIG-SCHRULLIGE MITSTAMPFSCHOTE

Damit konnte die österreichische Spaßtruppe nun wirklich nicht rechnen: Gottfried Preuß, Chef der Kripo München, fühlte sich doch tatsächlich dazu berufen, der schreibenden Presse gegenüber verlautbaren zu lassen, seit dem unerwarteten Erfolg des Titels „Ba-Ba-Banküberfall“ sei die Zahl der Banküberfälle in Deutschland binnen kürzester Zeit rasant gestiegen. Als Beleg mussten harte statistische Fakten herhalten: Im gesamten Jahr 1985 gab es 31 Überfälle, im ersten Halbjahr 1986 – also zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Titels – waren es jedoch bereits 33 Straftaten.

Selbst wenn man es nur schwer glauben kann, dass dieses hausgemachte Blödsinnsliedchen eine bis dato eher verborgen geglaubte kriminelle Energie innerhalb der Bevölkerung zu entfachen vermochte – die Erste Allgemeine Verunsicherung hatte sich das Stigma einer Spaßtruppe mit Wiener Schmäh erst einmal redlich verdient. Dass sich Klaus Eberhartinger, Thomas Spitzer & Co. später mit Österreichs Bundespräsidenten Waldheim anlegten, dass sie brisante Themen wie die Atompolitik oder Rechtsextremismus mit schonungslosen Versen aufarbeiteten und dafür ihren oft kodderig-schrulligen Humor gezielt einsetzten, hatte 1986 noch nicht die deutsche Öffentlichkeit erreicht. Mit dem Album „Geld oder Leben!“ schaffte die EAV dafür den ultimativen Durchbruch mit mehr als 700.000 verkauften Einheiten – und „Ba-Ba-Banküberfall“ wurde zu einem fulminanten Chartserfolg.

Die Neigung zu Texten, in denen es um bemitleidenswerte Kreaturen aus der gesellschaftlichen Mitte geht, die sich immer wieder mit den tragischen Umständen ihrer Existenz auseinandersetzen müssen, lässt sich auch an jenem zu „Ba-Ba-Banküberfall“ konstatieren. Pleite, enterbt und verzweifelt bleibt nur noch als letzte Option der Bankraub, welcher jedoch einen äußerst ungünstigen Verlauf zu nehmen scheint: „Nach einer halben Stund‘ bin ich endlich an der Reih‘, mein Finger ist schon steif von der blöden Warterei. Ich sag‘: „Jetzt oder nie, her mit der Marie!“ Der Kassier schaut mich an, und fragt: „Was haben Sie?“ Ich sag‘: „An Hunger und an Durst und keinen Plärrer, ich bin der böse Kassenentleerer!“ Der Kassierer sagt: „Nein! Was fällt Ihnen ein?“ „Na gut“, sage ich, „dann zahl‘ ich halt ‚was ein!“ Zweifellos die gelungenste Strophe aus dem Poprocksong.

Auf dem marschähnlichen Stampfrhythmus wohnt dem oberflächlich wirkenden Juxlyrics darüber hinaus ein tragikomischer Unterton inne, der dem insgesamt furchtbar dilettantisch produzierten Musikvideo immerhin einen gewissen parodistischen Charme verleiht. Ansonsten bleibt es jedoch insgesamt nicht viel mehr als ein „Gaglied“ (Zitat von einer Fanseite), das an die späteren, deutlich pointierter und ausgefeilter arrangierten Kompositionen nicht wirklich heranreicht. Eines aber hatte die EAV mit „Ba-Ba-Banküberfall“ möglicherweise bewirkt – die Erleichterung der Kripo München angesichts der beschriebenen Breitenwirkung des Liedes darüber, dass im Text zumindest nicht von einem gescheiterten Mordversuch die Rede ist…

Aktuell: Die EAV brachte 2016 das Album „Was haben wir gelacht…“ heraus, 2017 geht es auf „Werwolf-Attacke“ quer durch die österreichischen Konzerthallen.

Urteil: Der zünftige Witz ist lobenswert, die verflucht einprägsame Melodie auch. Aber insgesamt verbleibt der Song die diversen Halbtonerhöhungen hindurch auf einem eher mäßig-originellen Niveau.

Jan

Erste Allgemeine Verunsicherung – Ba-Ba-Banküberfall

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