Datum 1999
höchste Platzierung 3
Album Snowin´ Under My Skin
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KÜNSTLICH AUFGEQUOLLENE SYNTHISAUCE

Seinen Anfang nahm der Song 1980. In jenem Jahr erreichte die australische Softrock-Band Air Supply mit „All Out Of Love“ einen ordentlichen Welterfolg. Nur kurz darauf setzte es bereits zahlreiche Coverversionen der verschiedensten Interpreten: 1981 schaffte der chinesische Künstler Alan Tam damit einen Hit in seiner Heimat. Jagged Edge steuerten eine Coverversion zum Film „Bad Company“ (2002) bei, die australische Boygroup Mercury4 veröffentlichte das Lied 2004 auf ihrem Debütalbum. 2007 folgten John Barrowman und der unverwüstliche Cliff Richard. Und nicht zuletzt tauchte die Nummer in diversen Serien wie „South Park“, „Supernatural“ und „Hung – Um Längen besser“ auf.

Bliebe da noch ein Mitte 20jähriger Künstler, der sich – anders als seine Kollegen wie Jimmy Cliff oder Bob Marley – nicht vorwiegend auf die Verbreitung der jamaikanischen Musikkultur festlegen wollte und gleich nach der Schule zwecks Selbstfindung und neuer Einflüsse nach Großbritannien, USA und Holland reiste. Sein erstes Album „Andru Donalds“ war ein echter Achtungserfolg, zumal mit „Mishale“ 1994 ein lupenreiner Radiohit ausgekoppelt wurde, der zumindest stimmlich eine würdige Nachfolge von Terence Trent D´Arby mutmaßen ließ. Aber dann passierte fünf Jahre gar nichts. Donalds verschwand in der Versenkung, sein zweites Album „Damned If I Don´t“ (1997) bot zwar an vielen Stellen nette handerlesene Reggaepop-Nummern, aber verblieb unterhalb jeden kommerziellen Erfolgradars. Doch dann kam Hilfe, und zwar direkt aus der westlichen Region der Balearen-Halbinsel Ibiza. Dort baute der deutsch-rumänische Musikproduzent Michael Cretu noch immer an seinem bescheidenen 2000 Quadratmeter-Schloss inklusive Tonstudio. Offenbar konnte er neben seinem Enigma-Projekt noch ein bisschen Arbeit gebrauchen und produzierte daraufhin das dritte Album von Donalds. Das war im Jahr 1998.

„All Out Of Love“ war die erste Auskopplung aus „Snowin´ Under My Skin“ – dem Lied hört man die Leidenschaft Cretus für synthesizerverpanschte Ethnopopklänge ohne Zweifel an. Das macht den deutschen Platz 3-Erfolg leider etwas farb- und konturlos, so inbrünstig Donalds auch dagegen anzusingen versucht. Zumindest lyrisch werden Emotionen geweckt: „I’m all out of love, I’m so lost without you, I know you were right, believing for so long…“

Fortan ließ sich Donalds regelmäßig zu Studiosessions nach Ibiza einladen und tauchte auf diversen Enigma-Songs als Interpret auf. Ob ihm seine jamaikanische Herkunft zugute kam? In einem SPIEGEL-Interview von 2001 wurde Cretu gefragt, ob er sich eine Zusammenarbeit mit Peter Maffay, wie Cretu ebenfalls gebürtiger Rumäne, vorstellen könnte. Die Antwort war eindeutig: „Wollen Sie mich verarschen? Ein bisschen mehr Respekt, bitte!“

Aktuell: Heutzutage gibt Andru Donalds vor allem Wohnzimmerkonzerte mit Cascada (siehe Facebook-Profil) und ein paar Auftritte in Russland. Irgendwo gibt es immer noch Fans.

Urteil: An sich eine sympathische Ballade, die jedoch in der 1999er Version zu einer künstlich aufgequollenen Synthisauce verarbeitet und ihrer charmanten Softrock-Wirkung komplett beraubt wurde. 5 von 10 Punkten

Jan

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=XdP4SPuNfDo&w=560&h=315]

Andru Donalds – All Out Of Love
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